Ein HochgeNuss: Gefülltes Brathuhn mit Apfel und Kastanien

Manche Vorstellungen halten sich auch bei mir, die ich mich kulinarisch für sehr aufgeschlossen halte, erschreckend lange. So ging es mir mit Brathähnchen. Wenn ich mich an meine Kindheit zurück erinnere, dann gab es eigentlich fast nie ganze Hähnchen zu essen. Lediglich meine Omi kaufte ein, zwei Mal bei diesem Hähnchenstand vor dem Supermarkt ein Hähnchen, was wir dann daheim bei ihr aßen. Im Gegensatz zu den meisten am Tisch fand ich die Haut einfach nur eklig: gummiartig, knallrot-orange von den viel zu salzigen Gewürzen und alles klebte. Kein Wunder, dass meine Omi immer meterweise Küchenpapier bereit hielt um die Enkel in kurzen Abständen abzuwischen.

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Auch mochte ich das Abnagen vom Knochen überhaupt nicht. Mein Bruder wollte immer am liebsten die Keule und ich hoffte auf irgendein Stück mit möglichst wenig Knorpeln, Gelenken und Knochen. Als ich dann irgendwann selber mal so ein Hähchen zubereitete, stopfte ich dem Tier ne Zitrone in den Popo, wendete, drehte und joa, es war okay, aber nicht so überzeugend als dass ich es nochmal machte.

Der Ehrgeiz und die Neugier packte mich jedoch als ich dieses Rezept hier fand: das Hühnchen wird entbeint, sprich, sämtliche Knochen werden entfernt, lediglich die Beine und Flügel dürfen drin bleiben. Somit eliminiert man das Herumkauen auf Knochenteilen beim Essen fast vollständig. Und dann werden auch noch Esskastanien verwendet und die mag ich einfach wahnsinnig gern! Also schaute ich mir auf YouTube Videos übers Entbeinen an und machte mich ans Werk. Um ehrlich zu sein: ich brauch noch Übung, aber das Ergebnis lohnt sich! Traut euch ran!

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Die Füllung aus Maronen, Brot und jeder Menge Butter kommt zwischen Haut und Fleisch. Ich sag euch: wir haben geschlemmt! Es war so gut, dass ich das Brathuhn innerhalb eines Monats zwei Mal gemacht habe, ich muss schließlich meine Metzgerqualitäten üben 😉

Mit der Maronenfüllung passt das Rezept auch genau zu Inas Blogevent: es ist nämlich ein echter HochgeNUSS – bis zum 15. November noch sammelt sie jede Menge Inspiration rund um zehn verschiedene Nüsse. Da steuer ich doch zu gern dieses köstliche Hühnchen bei. Vielleicht lässt sich durch diese Kreation ja noch der ein oder andere davon überzeugen, dass so ein selbst gefülltes Brathuhn wahnsinnig lecker ist! Ein echtes Sonntagsessen – passend zum heutigen Tag 🙂

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Zutaten (für 4 Personen):
1 TL Rapsöl
2 EL fein gewürfelte Schalotte
120g Esskastanien, geschält und fein gewürfelt
1/2 Apfel, fein gewürfelt
160g Brotbrösel aus Roggenbrot
225g Butter, zimmerwarm
2 EL gehackte Petersilie
1 TL Salz
1 Huhn (1,3 bis 1,5kg)

In einer mittelgroße Sauteuse bei schwacher Hitze das Öl erhitzen. Die Schalotten darin 3 bis 4min glasig dünsten. Die Kastanien und den Apfel hinzufügen und 8 bis 10min weiterdünsten. In eine Schüssel geben, Brotbrösel, Butter, Petersilie und Salz unterheben und alles gründlich mischen. Die Masse in einen Spritzbeutel geben und bei Zimmertemperatur bereithalten.
Das Huhn parieren und alles überschüssige Fett aus der Bauchhöhle entfernen. Zum Entbeinen das Huhn mit der Brust nach unten auf ein Schneidbrett legen. Mit einem scharfen Messer oder der Geflügelschere auf beiden Seiten der Wirbelsäule entlang schneiden und diese herausnehmen. Das Brustbein mit den Händen brechen und das Huhn flachdrücken. Mit dem Ausbeinmesser Rippen und Schulterknochen entfernen. Rund um die Flügel einschneiden, die Spitze der Flügel abschneiden und die Knochen freilegen, so dass 5cm herausschauen. Die Oberschenkelknochen entfernen und die Unterschenkel freilegen. Das Gabelbein entfernen. Das Huhn sollte nun bis auf die Beine und Flügel knochenlos sein. Die Haut darf dabei nicht einreißen.
Auf beiden Seiten der Brust einen kleinen Einschnitt anbringen und die Flügelknochen in die Brust stecken. Die Beine kreuzen und unter die Haut stecken, damit sie in Position bleiben. Mit den Fingern die Haut vom Fleisch lösen, um Platz für die Füllung zu schaffen.
Die Apfel-Kastanien-Füllung unter die Haut der Beine und der Brust spritzen und die Füllung gleichmäßig verteilen. Das Huhn etwa 2h kühl stellen bis die Füllung fest wird.

ZUM FERTIGSTELLEN:
2 EL Rapsöl
8 möglichst kleine Äpfel, halbiert
2 Knollen Knoblauch, quer halbiert
30g Esskastanien, geschält
30g Cipollini-Zwibeln, halbiert und geschält (ich: weg gelassen)
30g Perlzwiebeln, geschält (ich: weg gelassen)
Salz
1 Bund Rosmarin
1 Bund Thymian

Den Backofen auf 240°C vorheizen. Bei starker Hitze in einer großen, gusseisernen Pfanne das Öl erhitzen. Äpfel und Knoblauch mit den SChnittflächen nach unten hineinlegen, Kastanien und Zwiebeln hinzufügen und alles 3 bis 4 min goldgelb anbraten. Die Zutaten an den Rand schieben und das Huhn mit der gefüllten Seite nach oben in die Mitte der Pfanne setzen. Salzen und 2min auf dem Herd anbraten.
Dann im vorgeheizten Backofen 35min braten, Rosmarin und Thymian hinzufügen und weitere 10 bis 15min goldbraun braten. Das Fleisch sollte an der dicksten Stelle der Brust eine Temperatur von 65° erreichen.
Das Huhn auf einem Drahtgitter 15min ruhen lassen, dann aufschneiden. Mit den gebratenen Äpfeln, Knoblauch, Kastanien und Zwiebeln servieren.

Quelle: I love NY (Daniel Humm, Will Guidara)

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Happy Hour: New York Sour

Endlich mal wieder eine Happy Hour auf dem Blog 🙂 Im wirklichen Leben kann ich mir kaum was Besseres vorstellen als am Freitagabend das Wochenende mit einem Drink einzuläuten. Dann noch zu wissen, dass man am nächsten Tag ausschlafen kann, herrlich! Der Alkoholkonsum ist also eeeetwas höher als der Blog suggeriert.

In Wirklichkeit ist es allerdings auch so, dass es sehr selten aufwändige Drinks gibt, sondern meistens lediglich n sehr guten Gin Tonic oder n Glas Wein. Dabei lohnt es sich einfach, mal was anderes auszuprobieren. Der New York Sour besticht durch den Shrub. Den was??? Joa, kannte ich bis zum Sommer auch nicht, aber ein Shrub ist ein Fruchtsirup, der mit Essig hergestellt wird. Wem sich bei der Vorstellung, Essig zu trinken, alles zusammenzieht, den kann ich beruhigen: der Zucker gleicht das aus und es bleibt ein angenehm frischer Geschmack.

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Positiver Nebeneffekt: es gibt Apfelkuchen. Oder Apfelmus. Oder sonst irgendwas mit Apfel – denn für den Shrub braucht man hauptsächlich die Schalen. Meinen hab ich tatsächlich nur mit Schalen angesetzt – ohne den 1/2 cm Fruchtfleisch wie es im Rezept empfohlen wird. Und wow! Selten hatte ich so einen tollen Apfelgeschmack! Hätte ich den in ner Bar getrunken, hätte ich vermutet, dass da künstliche Geschmacksverstärker zum Einsatz kamen. Bin wirklich begeistert, dass die Schalen nicht in den Kompost wandern müssen, sondern eine zweite Bestimmung finden.

Und selbst wenn ihr keine Cocktailsüffler seid, macht den Shrub: ich hab den einfach mit Mineralwasser aufgefüllt und so getrunken, sehr gute Erfrischung! Ich hoffe, ihr werdet neugierig und probiert den Drink aus … zwei kleine Hinweise zum Schluss: der Shrub muss ein paar Tage ziehen bevor er getrunken werden kann. Und wenn ihr den Drink macht, verwendet weniger als auf den Bildern. So was entsteht halt, wenn der Vater noch nicht oft genug abgedrückt hat und einen auffordert, weiter den Shrub ins Glas zu gießen… seuftz, einmal mit Profis arbeiten 😛

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Apple Shrub:
6 Äpfel (Gala, Braeburn wird empfohlen)
450g weißer Zucker
350ml weißer Balsamicoessig

Die Äpfel schälen, dabei gut 1/2 cm Fruchtfleisch an der Schale lassen. Die Apfelschalen mit dem Zucker in einer Schüssel wenden. Luftdicht verschlossen 3 Tage im Kühlschrank ziehen lassen. Nach drei Tagen in einem kleinen Topf den Essig mit 110ml Wasser mischen und zum Kochen bringen. Die heiße Flüssigkeit über die Apfelschalen mit dem Zucker gießen. Die Mischung auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Das Gefäß zugedeckt bei Zimmertemperatur 2 Tage stehen lassen. Die Mischung schütteln, bis der Zucker vollständig aufgelöst ist. Dann durch ein Spitzsieb gießen und die Flüssigkeit auffangen.

Zuckersirup:
100g Zucker
100ml Wasser

In einem kleinen Topf Zucker und Wasser bei mittlerer Hitze verrühren bis der Zucker vollständig aufgelöst ist. Vom Herd nehmen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

Zum Fertigstellen für VIER Drinks:
240ml Apfelbrand (Calvados)
100ml Zitronensaft
4 Eiweiß

Für jeden Drink im Cocktail-Shaker jeweils 60ml Apfelbrand mit 25ml Zitronensaft, 25ml Zuckersirup und 1 Eiweiß mischen. Eis hinzufügen und schütteln. In ein Cocktailglas abseihen und langsam 15g Apple Shrub auf den Drink geben.

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…cheers! Habt ein schönes Wochenende 🙂

Quelle: I love NY (Daniel Humm & Will Guidara)

Hüttengaudi: Rösti-Burger

In dieser Zwischenzeit von Weihnachten und Ostern gibt es ein paar kulinarische Dinge, die beachtet werden wollen. Neben allerlei Essen in Herzform und optimal auch noch in rosaroter Farbe zum Valentinstag gehört natürlich das Faschingsschmalzgebäck dazu UND alles, was Hüttengaudi in die schneelosen, flachen Gebiete bringt. Deftiges Essen in rustikaler Umgebung, das nach sportlicher Betätigung im Schnee oder eben im grauen Regenwetter wärmt und mögliche Neujahrsvorsätze weit in die Ferne rücken lässt.

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Ich bin ja echt keine Skifahrerin; bisher stand ich ganz genau drei Mal auf (Langlauf)Ski und das hat einmal mit einer Knieprellung und drei Woche Schiene tragen geendet. Die letzten Male dienten nur zur Erheiterung des Freundes: „Man weiß, dass man langsam ist, wenn einen sogar Rentner überholen.“ Ähm ja, ganz schön kompliziert mit diesen Stangen an den Füßen… Aber ich will ja eigentlich über Essen reden! Keine Ahnung, ob es auf irgendwelchen Hütten in den Alpen oder anderen Skiregionen Rösti-Burger gibt, aber wenn, dann hoffe ich für alle Skifahrer, dass der Burger mehr Biss hat als das Modell vom Mäcces 😉 Der preist seinen Burger ja gerade gefühlt in allen Radionachrichten an, dass ihr vielleicht auch Lust auf so einen Burger der Superlative bekommt.

Wenn ja, dann greift zu! Hier kommt das Rezept für Rösti-Burger, bei denen ihr wirklich was zu beißen und zu genießen habt! Wir haben dieses Mal darauf verzichtet, die Brötchen selber zu backen, sondern haben auf rustikale Weckle vom Bäcker zurückgegriffen. Saftiges Hähnchen, Zwiebeln, süße Apfelscheiben, ein herzhaftes Rösti und würzigem Raclettekäse -was für eine geniale Kombination!! Die Zutatenliste liest sich erstmal lang, aber glaubt mir, es ist gar nicht so kompliziert. Am besten geht es, wenn die ganze Familie mit anpackt -dann hat nicht einer den Stress, fünf Burger auf einmal zusammen zu setzen.

Also egal ob ihr Ski fahrt oder nicht, diese Art von Hüttengaudi schmeckt wirklich jedem (Vegetarier mal ausgenommen ;-)) Und die letzten Raclettereste kommen damit auch endlich weg!

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Zutaten für 4 Burger:
2 Hähnchenbrustfilet (ca 400g)
4 dünne Scheiben luftgetrockneter Schinken
3 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer
1 Apfel
1 rote Zwiebel
1 Zweig Thymian (oder 1 Msp getrockneter Thymian)
1 große vorwiegend festkochende Kartoffel (ca 300g)
1 Msp Natron
4 EL Sonnenblumenöl
4 rustikale Brötchen
8 Scheiben Raclettekäse

Zubereitung:
Apfel mit einem Apfelausstecher entkernen und in Scheiben schneiden. Zwiebel in Ringe schneiden. Ofen auf 60°C vorheizen. Hähnchenbrüste schräg in jeweils 4 Scheiben schneiden. Schinken längs halbieren und die Schnitzel mit Schinkenstreifen umwickeln. In einer beschichteten Pfanne im heißen Olivenöl von jeder seite 4-6min braten, mit Salz und Pfeffer würzen. Auf eine Platte legen und im Ofen zugedeckt warm stellen.
Die Apfelscheiben und Zwiebeln in die Pfanne mit dem Hähnchenfett geben und 8min braten. Thymianblättchen abzupfen und die letzten 2min mitbraten. Auf die Platte mit den Hähnchenschnitzeln legen.
Für die Rösti Kartoffeln schälen, fein raspeln, Natron untermengen und leicht pfeffern. Sonnenblumenöl in einer großen beschichteten Pfanne erhitzen. Röstimasse trocken ausdrücken und in 8 Portionen in die Pfanne geben. Leicht flachdrücken und die Rösti bei mittlerer Hitze von jeder seite in 4 min knusprig braten. Auf Küchenpapier abtropfen und salzen.
Die Platte mit Hähnchen & Co aus dem Ofen holen und diesen auf 175° erhitzen. Die Brötchen halbieren, mit den Schnittflächen nach oben auf ein Blech mit Backpapier legen und sowohl die Unterseiten als auch die Deckel mit Raclettekäse belegen. In den Ofen schieben und den Käse schmelzen lassen. Dann mit Schnitzeln, Äpfeln und Zwiebeln auf den Unterseiten anrichten, nochmal kurz in den Ofen schieben und kurz erhitzen. Dann Deckel drauf, Mund weeeeit aufsperren und genießen!

Quelle: Auf die Hand (Stevan Paul)

 

Von Einhörnern und anderen Fabelwesen: Walnuss-Meringue mit Äpfeln und Vanillepudding

Als ich grad so in meiner Pubertät angekommen war, kam für viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine neue Ära auf: Harry Potter erschien und damit eine ganz neue, magische Welt, die bis heute noch die Menschen verzaubert und in ihren Bann zieht. Auch bei uns daheim wurden die Romane verschlungen, wobei ich zugeben muss, dass ich ab dem fünften den Anschluss verloren hab und bis heute nicht weiß, wer eigentlich am Ende noch lebt, gestorben oder verheiratet ist.

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Nichtsdestotrotz war auch ich zeitweise von dieser ganzen Zauberwelt eingenommen. Einen Nachmittag stand ich mit einer Freundin in der Küche um Törtle (so nannte man Muffins bevor sie bekannt wurden) für den Kuchenverkauf in der Schule zu backen und es entbrannte eine hitzige Diskussion über die ein oder andere Buchpassage. Vor lauter vergaßen wir das Mehl in den Teig zu geben und wunderten uns dann, warum die Törtle nach dem Backen total brüchig waren. Uiuiui, so eine Standpauke hab ich noch nie von meiner Oma gekriegt! Für sie war das (verständlich) eine mittlere Katastrophe, dass wir einiges an Nüssen, Schokolade, Eier und Butter völlig umsonst verbacken hatten. Was das alles mit Einhörnern und dieser Walnuss-Meringue zu tun hat?

Erstens braucht ihr hierfür kein Mehl, sprich, eine Standpauke meiner Oma wäre mir damaaals mit diesem Rezept erspart geblieben. Und zweitens meinte meine Schwester als wir beim Essen über die fluffige, wolkige, zartschmelzende Konsistenz dieses „Kuchen“ diskutierten, dass so vermutlich Einhorngehirn schmecken würde 😀 Also liebe Leser, sollten Sie sich jemals gefragt haben, was dem derzeigen Einhorntrend noch fehlt, dann kann ich nur sagen: Einhorngehirnkuchen 😀 Eine wirklich gelungene Verbindung von fabelhaften Zutaten und Konsistenzen.
Diese Baiser, die man beim Bäcker kaufen kann, mag ich ja gar nicht, aber diese Walnussmeringue sind sooo wahnsinnig lecker! Pudding ist sowieso ein echtes Soulfood und hier in einer „erwachseneren“ Form. Ich hatte noch einigen Pudding über, aber nun ja, den werdet ihr schon irgendwie wegkriegen.

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Ganz große Nachmachempfehlung von mir -lasst euch nicht von der langen Zubereitung abschrecken, Nigel Slater hat es sehr ausführlich beschrieben, aber im Prinzip ist das ganz einfach zu machen.

Zutaten für die Meringue:
250g feiner Zucker
6 Eiweiß
1EL Maisstärke
2 TL Weißweinessig
50g Walnusskerne

Den Backofen auf 200°C vorheizen. Für die Meringue das Eiweiß in eine tiefe Schüssel geben, am besten die einer Küchenmaschine und ziemlich langsam schlagen bis es weiß und schaumig wird. Den Zucker, immer ein paar Esslöffel auf einmal, in das Eiweiß geben und dabei die ganze Zeit bei mittlerer bis hoher Geschwindigkeit weiterschlagen. Wenn der ganze Zucker drin ist, noch gut 5min weiterschlagen bis Eiweiß und Zucker fest und glänzend aussehen. Die Mischung sollte steife, glänzende Spitzen bilden können. Die Maisstärke und den Essig unterziehen.
Während die Eiweiß-Zucker-Mischung steif geschlagen wird, die Walnüsse bei mäßiger Hitze in der Pfanne rösten bis ihre Haut dunkel anläuft und anschließend in einem Geschirrtuch aneinander reiben um so viel Haut wie möglich zu entfernen. ICH habe diesen Schritt ausgelassen und die Walnüsse nur angeröstet. Die Nüsse danach grob hacken. Sobald die Meringuemasse steif geworden ist, die Walnüsse dazugeben. Ein rechteckiges Backblech ca 32x22cm mit Backpapier auslegen und die Meringuemasse möglichst glatt darin verstreichen. ICH habe die Meringue einfach rund gebacken. In den Ofen schieben und diesen sofort auf 140°°C herunterschalten. 45min backen bis sie außen knusprig und innen weich wie Marshmallows ist. Aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.

Für den Vanillepudding:
600ml Milch
1 Vanilleschote
6 Eigelb
50g Zucker
2EL Maisstärke

Die Milch in einem beschichteten Topf schütten. Die Vanilleschote längs halbieren, das Mark mit einer Messerspitze herauskratzen und mitsamt der leeren Schote in die Milch rühren. Die Milch fast zum Kochen bringen, dann vom Herd nehmen und beiseitestellen, damit das Vanillearoma die Milch durchtränkt.
Eigelb und Zucker mit einem Löffel verrühren und die Maisstärke unterziehen. Die warme Milch -ohne die Vanilleschote- über die Eigelbmischung gießen und einrühren, alle wieder in den Topf geben und auf eine mittelheiße Herdplatte stellen. Durchgehend umrühren und den Pudding dabei allmählich warm und dick werden lassen. Sobald die Mischung kühl genug ist, in den Kühlschrank stellen, damit sie noch stärker andickt.

Für die Äpfel:
500g Äpfel
50g Butter
1 Handvoll Mandelblättchen

Die Äpfel halbieren, entkernen und in dünne Scheiben schneiden. In der Butter braten bis sie weich sind, dass sie beinahme zerfallen. Die Mandeln rösten.

Alles zusammensetzen:
Wenn die Meringue kalt geworden ist, die Kruste mit einem großen Löffel leicht eindrücken, sodass sechs flache Mulden entstehen. Den kalten Vanillepudding in die Mulden löffeln, dann die warmen Äpfel darüber verteilen und mit den Mandeln bestreuen.

Quelle: Ein Jahr lang gut essen (Nigel Slater)

 

Rettungsaktion: Rinderbraten mit Bratapfelkruste

Gewisse Dinge gehören für mich einfach nicht zusammen: Beziehungsdetails mit der Öffentlichkeit bequatschen, duschen und danach zum Sport aufbrechen oder auch Feiertage und Fertigessen kaufen. Mit Fertigessen kann ich im Allgemeinen sowieso nichts anfangen, aber erst recht dann nicht, wenn es ein besonderer Anlass ist.

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Wenn ich dann momentan die Angebotsblättle durchschaue oder zufällig eine Fernsehwerbung sehe, bekomme ich oft genug den Eindruck, dass nicht nur der normale Alltag, sondern gerade die bald beginnende Advents- und Weihnachtszeit komplett von der Lebensmittelindustrie vereinnahmt wurde. Da werden strahlend-schöne Mütter präsentiert, die ihren Liebsten gerade die Fertigsuppe aus dem Päckchen servieren. Oder eine Gruppe Freunde, die mit einem Fertigcocktail auf die Feiertage anstoßen. Die Rouladen oder der Braten sind selbstverständlich schon fertig eingelegt, damit den von der Weihnachtszeit gestressten Personen wenigstens die ach-so-anstrengende Arbeit der Nahrungszubereitung erspart bleibt. Von den Fertigteigen für Plätzchen fang ich jetzt gar nicht erst an…

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Ohne jetzt auf andere herabschauen zu wollen, bin ich einfach nur erleichtert und glücklich, dass ich aus einer Familie komme, in der die Essenszubereitung gerade zu solchen Feiertagen besonderen Stellenwert eingenommen hat. Auch wenn meine Mutter beispielsweise  an Heiligabend zur Nachtwache ins Altersheim musste oder wir alle in der Kirche aktiv waren, wäre es im Traum nicht passiert, einen Fertig-Kartoffelsalat oder ähnliches auf den Tisch zu stellen.

Ich vermute, dass die meisten, die hier mitlesen, sowieso eher weniger vorzubereitetes Fleisch kaufen. Aber vielleicht kann unsere Rettungstruppe euch heute zeigen, dass von https://unsermeating.files.wordpress.com/2016/02/e99ff-wirrettenwaszurettenist.jpg?w=320&h=117Braten-Klassikern bis zu innovativeren Neukreationen alles kein Hexenwerk ist. Heute werden also Braten gerettet und euch vielleicht schon Lust auf die ein oder andere Leckerei für die Feiertage gemacht.
Glaubt mir, eure Familie und eure Geschmacksknospen danken es euch, wenn ihr selber Hand anlegt. Oftmals spart ihr durch Fertigprodukte sowieso keine Zeit. Und gerade die Braten lassen sich gut vorbereiten, damit ihr auch Zeit mit den Liebsten verbringen könnt.

Ein Tipp noch zu diesem Rinderbraten mit Bratapfelkruste: um den perfekten Garpunkt hinzukriegen einfach ein Bratenthermometer verwenden. Für unter 10€ bekommt ihr eins und das hilft, dass das Fleisch zart ist. Dass es sich sowieso lohnt ein paar Euro mehr für das (Bio-)Fleisch auszugeben, ist euch sowieso klar, gell? Ansonsten erhaltet ihr hier mit der Bratapfelkruste ein saftiges Fleisch, das von der Bratapfelkruste mal etwas anders begleitet wird. Von meiner Schwester hörte ich nur große Schwärmerei über dieses Prachtstück aus Mamas Küche 🙂
Zu guter Letzt bevor es an die Mitretter geht noch ein herzliches Danke an Susi und Sina für die unermüdliche Organisation der Rettungsaktion!!!!

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Und hier wieder eine ganze Liste von anderen Köstlichkeiten:
Pane Bisteca: Schulter-Steak- Braten mit Kruste

Kochen mit Herzchen: Wildsauerbraten

Prostmahlzeit: Gebratener Schweinebauch

Giftige Blonde: Bio-Rindsbraten mit Rotweinsauce

Summsis Hobbyküche: Sauerbraten

Leberkassemmel und mehr: Krustenbraten mit Speckknödel

Magentratzerl: Rinderschmorbraten mit Balsamicosauce und Kartoffelknödeln

Kebo homing: Truthahnbraten „all in one“

Lieberlecker: Rinderbraten mit Biersauce

Friederike Fliederbaum: Husarenbraten

Brotwein: Schweinebauch aus dem Ofen

Anna Antonia: eine Art Brasato al Barolo

Genial lecker: Entenbraten

Auchwas: Schinkenbraten in Apfelmostsauce

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Zutaten (für 6 Personen):
Für die Bratäpfel:
1/2 Bund Petersilie
2 große Zwiebeln
100g Speck in Scheiben
4 EL Butter
1 TL getrockneter Majoran
8 kleine, rotschalige Äpfel
2 EL Zitronensaft
1 Ei
100g gemahlene Mandeln
Für das Filet und Sauce:
1kg Rinderfilet (aus dem Mittelstück)
Salz, Pfeffer
1 EL Butterschmalz
200ml Rinderfond
1-2TL Senf
1-2 EL kalte Butter

Zubereitung:
Petersilie waschen, Blättchen hacken, Zwiebeln abziehen und fein würfeln. Ebenso den Speck. 2 EL Butter erhitzen, Speck goldgelb ausbraten, Zwiebeln und Majoran zufügen und glasig dünsten.
1 Stunde vorm Servieren: Äpfel waschen. Aus 6 Äpfeln Kerngehäuse ausstechen. Übrige Äpfel schälen, entkernen, würfeln, mit Zitronensaft, Speck-Zwiebeln, Ei, Petersilie und gemahlenen Mandeln mischen.
Backofen auf 175 Grad erhitzen. Äpfel auf ein Blech mit Backpapier setzen. Die Hälfte der Apfel-Speck-Mischung in die ausgestochenen Äpfel hineinfüllen, mit ein paar Butterflöckchen belegen und 45min backen.
Inzwischen Filet abbrausen, salzen, pfeffern. Schmalz in einer Pfanne erhitzen. Filet rundum anbraten, oberen Teil mit übriger Apfel-Speck-Mischung belegen =fest andrücken. Filet zu den Äpfeln auf das Blech legen und bis zum Schluss (40min) mitbraten. Zur Sicherheit Bratenthermometer einstechen.
Den Bratensatz in der Pfanne mit Fond ablöschen, etwas einköcheln lassen und kurz vor dem Servieren Senf und Butter einrühren.
Filet in Scheiben schneiden, mit  Bratäpfeln auf Tellern anrichten, etwas Sauce angießen und servieren. Bei uns gab es Kartoffelpüree und Wirsinggemüse dazu.

Quelle: Meine Familie & ich (12/2014)

Aus Mamas Küche: Wirsing-Quiche mit Speck

Heute veröffentliche ich hier ein Rezept, das ich nie probiert habe – so unfair ist manchmal einfach das Leben, wenn man nicht mehr daheim bei Mama wohnt, der Vater aber von einem2016.01.05_Wirsingtarte-13 Essen sehr begeistert ist. Da kommt man dann nichtsahnend auf ein Besüchle vorbei, der Papa holt einem zum Computer und zeigt einem die Bilder. Eigentlich seien die Bilder erst einmal entstanden, weil er irgendwas beim Fotografieren ausprobieren wollte, aber dann sei die Quiche so lecker gewesen, dass ich unbedingt das Rezept veröffentlichen müsse.

Bitteschön! Ich komme meiner Schuldigkeit nach! Es macht mich ja 2016.01.05_Wirsingtarte-12sehr an, dass die Quiche mit Apfel belegt ist, so was Süßes zu Herzhaftem finde ich ja immer ganz toll. Und außerdem kann ja kaum was schief gehen, wenn ein Essen von der Mama stammt 😉
Bezüglich des Kochens bemerkt man bei meiner Mutter und mir auch ganz eindeutig die Verwandschaft: auch sie kann hin und wieder nicht widerstehen, wenn an Supermarktkassen Kochzeitschriften angeboten werden. Und dann wird munter daraus nachgekocht! So läuft das bei mir auch 🙂 Außerdem wird familiär die Abneigung zu Kümmel geteilt! Bei mir ist das eindeutig ein Kindheitstrauma: als Baby haben meine Eltern mich mit irgendwelchem Kümmelöl gegen Blähungen behandelt… Es hat gewirkt, aber dadurch kann ich das Zeug heute nicht ausstehen. Ich schreib es trotzdem rein, vielleicht geht es euch ja anders?!Blog-Event CXVI - German Krautkoepfe

Zeitlich passt die Quiche wunderbar zum Saisongemüse Wirsing und damit auch zum aktuellen Krautkopf-Event, das Eva bei Zorra veranstaltet. Ich schicke schon mal diesen Gruß aus Mamas Küche zu euch zwei rüber bis ich mich die Tage noch mit einem selbst gekochten Rezept melde.

Zutaten (für 8 Stücke)
1/2 Kopf Wirsing (ca. 600g)
1 TL Salz
(1/2 TL Kümmelsamen)
150g Bacon
2 EL Butter2016.01.05_Wirsingtarte-15
2 EL Apfelessig
Pfeffer
1 (rotschaliger) Apfel
etwas Zitronensaft
2 Eier
150g Creme fraiche
150ml Milch
1 Bund glatte Petersilie

Für den Teig:
250g Mehl (plus etwas mehr zum Arbeiten)
1/2 Würfel frische Hefe (20g)
Salz
3 EL Olivenöl

Zubereitung:
Mehl in eine Schüssel geben, die Hefe mit 2-3EL lauwarmen Wasser verrühren. 30min ruhen lassen. Dann Mehl mit Hefeansatz, Öl, Salz und 100ml lauwarmen Wasser verkneten und weitere 30min ruhen lassen.
Den Kohl putzen, in feine Streifen schneiden und mit Salz (und Kümmel) verkneten. Die Hälfte vom Speck in Streifen schneiden. In einem großen Topf den Speck auslassen, die Butter zugeben und den Kohl einrühren. 3min dünsten, den Essig zufügen. 3-4min im geschlossenen Topf schmoren und anschließend mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Den Apfel waschen, vierteln, entkernen, in schmale Spalten schneiden, mit Zitronensaft beträufeln. Den Backofen auf 200Grad vorheizen. 2016.01.05_Wirsingtarte-12
Eier mit Milch und Creme fraiche verrühren, würzen. Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen. Eine gefettete Springform (26cm Durchmesser) damit auslegen, einen Rand hochziehen und mit dem Wirsing und Apfel belegen. Die Eiermilch darüber gießen und im Ofen 40min backen.
In der Zwischenzeit den übrigen Speck auslassen und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Die Petersilie fein hacken. Zum Servieren die Quiche mit Petersilie und Bacon belegen.

Quelle: Meine Familie und ich 1/2016 (?)

Hoch die Tassen!: Kürbiscremesuppe mit Vanille

Eine Kürbissuppe ohne Ingwer??? Das ist für mich wirklich außergewöhnlich! Ich liebe diese würzige Knolle einfach und schmeiße sie sehr gerne in Suppen, Smoothies,… Die beste Kombination ist dann tatsächlich, wenn man oben drauf die Suppe noch mit Zimt-Crouton2015.12.29_KürbisSuppe-11-3s toppt! Das harmoniert ganz wunderbar!
Aber ich weiß auch, dass Ingwer in meiner Familie bei nicht allen Mitgliedern beliebt ist. Und auch einige Freunde stehen dem kritisch gegenüber. Ich erinnere mich an ein Abschlussessen, das ich veranstaltete und mir ein Freund nach leer gelöffeltem Teller gestand, dass Ingwer für ihn so ziemlich das schlimmste sei! Nur aus Höflichkeit hatte er alles gegessen…

Also wagte ich mich an eine Alternative -recht skeptisch, ob denn Kürbissuppe ohne meine Geheimwaffe was werden könnte. Und Überraschung: diese Varia2015.12.29_KürbisSuppe-14-6nte ist wirklich fein! Die Vanille schmeckt wunderbar zart heraus, es ist cremig und einen Hauch Zimt darf auch noch dazu 🙂 Außerdem eignet sich die super um nicht mehr so knackig-frische Äpfel loszuwerden. In dem Sinne (und weil’s zu den Bildern passt): hoch die Tassen! So stellt man jeden Suppenkasper zufrieden! Im normalen unfotogenen Leben würde ich die Suppe übrigens ganz normal in einem tiefen Teller servieren, aber naja, das hätte nicht ganz so chic ausgesehen.

Wie ist es bei euch? Welchen Geschmack könnt ihr üüüüberhaupt nicht leiden? Also bei mir sind das Minze und Kümmel! Ich bin froh, dass der Koriander die Minze in der Kräuter-Hit-Parade langsam ablöst 😉

Zutaten (für 4 Personen):
1kg Kürbis nach Wahl (geputzt 750g)
1 großer Apfel 2015.12.29_KürbisSuppe-8-1
1 Stange Lauch
1 Zwiebel
1/2 Vanilleschote
2 EL Butter
2 EL Zucker
900ml Gemüsebrühe
1 Msp. Zimt
Salz/Pfeffer
100g Sahne
2-3 EL Zitronensaft

Zubereitung:
Vom Kürbis die Schale und den inneren, faserigen Teil samt Kernen wegschneiden, das Fruchtfleisch grob würfeln. Apfel waschen, vierteln, entkernen und kleinschneiden. Den Lauch längs halbieren, waschen, putzen und in schmale Streifen schneiden. Die Zwiebel schälen und fein würfeln. Die Vanilleschote längs aufschlitzen und das Mark herauskratzen.

Butter in einem Topf2015.12.29_KürbisSuppe-13-5 schmelzen, darin Zwiebel und Lauch bei mittlerer Hitze langsam andünsten. Den Zucker darüberstreuen und unter Rühren goldbraun karamellisieren lassen. Kürbis und Apfel dazugeben und 2min mitdünsten, dann mit Brühe ablöschen. Vanillemark – und Schote mit dem Zimt in die Suppe geben, salzen und pfeffern, zugedeckt bei mittlerer Hitze 20-25min kochen lassen.

Dann die Suppe fein pürieren. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken. Nach Wunsch die Sahne in den Topf geben oder individuell in die Suppentassen geben. Wer will, serviert die Suppe mit Thymiancroutons (Brotwürfel und Thymian in einer Pfanne knusprig braten) und Apfelwürfeln.

Quelle: Winterküche (Tanja Dusy)