Von zu vielen Kochbüchern und einem Dauerbrenner: Rote-Bete-Relish

Ab wann lohnt sich eigentlich ein Kochbuch? Diese Frage stelle ich mir regelmäßig, insbesondere wenn es darum geht, Rezensionen zu schreiben und eine Empfehlung für ein Buch auszusprechen -oder eben nicht. Diese Frage stelle ich mir aber auch, wenn ich zum wiederholten Mal enthusiastische Berichte über ein Buch lese und merke, wie ich mich davon überzeugen lasse. Die Werbemasche, wenn man etwas nur oft genug sieht und hört, will man es, funktioniert bei mir sehr, sehr gut!

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So ging es mir vor Weihnachten: immer wieder tauchte auf den verschiedenen Seiten ein Buch auf und bei mir setzte der „Muss-ich-haben“-Reflex ein. Ich schrieb das Kochbuch also auf den Wunschzettel für Weihnachten und bekam es nicht. Auch nicht schlimm! Letzte Woche kam ich am Buchhändler meines Vertrauens vorbei und konnte nicht vorbeigehen ohne einen Blick in die Kochbuchabteilung zu werfen. Da saß ich dann mit meinem Wunschbuch und blätterte es langsam durch. Ja, es war ein schönes Buch, sehr ansprechend gestaltet. Aber weder brauche ich ein Rezept für Gemüsebrühe (ein Bund Suppengrün im Foodprocessor mit Salz zerkleinern) noch das x-te Rezept für ein Gemüsecurry und so viele Bilder von der Autorin in den unterschiedlichsten Lebenssituationen sind vielleicht für ihre Oma toll, aber nicht für mich. Schlussendlich hatten mich zwei, drei Rezepte angesprochen, der große Rest aber nicht.

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Ich stellte das Kochbuch zurück, freute mich über die entspannte Auszeit im Buchladen und war stolz auf mich, dass ich inzwischen in Bezug auf Kochbücher rational denken und entscheiden kann. Glaubt mir, es gab andere Zeiten: vermutlich wäre ich nicht zu dieser Entscheidung gekommen, hätte ich in den Ferien nicht den Mann dazu gezwungen, einige seiner Sachen auszumisten und er sich daraufhin über meinen sehr vollen Kochbuchschrank beschwerte, in dem anscheinend alles rein darf. Und er hat Recht: da standen so einige Bücher, die ganz nett waren, mehr aber auch nicht. Sie hatten keinen Einzug in den Kochalltag gefunden. Also sortierte ich schweren Herzens aus, schickte Freundinnen Bilder von den Kochbüchern, damit sie ein neues Heim finden und was nicht erwünscht war, spendete ich ans örtliche Sozialkaufhaus.

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Das Grossbritannien Kochbuch durfte bleiben: ich habe es mindestens alle zwei bis drei Wochen in der Hand, um dieses Rote-Bete-Relish zu kochen. Ein Relish ist süßsäuerliches Gemisch aus Gemüse, manchmal auch Obst, Zucker und Essig, das anscheinend in der englischen Küche gerne zum Würzen verwendet wird. Hier gibt es das Relish mit Ziegenfrischkäse, frischem Salat und gutem Brot zum Abendessen. Der Mann ist verrückt danach und ich freue mich, dass ich immer eine Notfallration im Kühlschrank habe, wenn sonst alles aufgegessen wird.

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Und jetzt entschuldigt mich: ich muss ein paar Kochbücher auf Herz und Nieren überprüfen, ob die es wirklich verdient haben, weiter in meinem Regal zu stehen – positiver Nebeneffekt: man entdeckt so einige neue Rezepte, die man unbedingt ausprobieren muss 🙂

Zutaten:
700g frische rote Bete
220g Zwiebeln (so circa, wird bei mir mal mehr, mal weniger)
300ml Apfelessig
175g Zucker (Original: 220g)
1/2 EL mixed spice (Zimt, Ingwer, Muskat, bisschen Pfeffer)
Salz

Zubereitung:
Die rote Bete schälen und in kleine Würfel schneiden. Die Zwiebeln schälen und ebenfalls fein würfeln. Das Gemüse zusammen mit Essig, Zucker, Gewürzen und etwas Salz in einen Topf geben und ca. 40min sanft köcheln lassen bis die Mischung eingedickt ist. Probiert nach 30min die Konsistenz des Gemüse – mögt ihr es lieber knackig oder lieber weich? Dementsprechend kürzer oder länger kochen 😉
Wenn die Masse fertig gekocht hat, sofort in sterilisierte Gläser füllen und verschließen. Das Relish ist sofort verzehrfertig, schmeckt aber noch besser, wenn man es eine Weile durchziehen lässt.

Zum Vesper mit Brot, (Ziegen)Frischkäse und Salat servieren. So einfach, so gut!

Quelle: Das Grossbritannien Kochbuch (Hrsg. William Sitwell)

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7 Gedanken zu “Von zu vielen Kochbüchern und einem Dauerbrenner: Rote-Bete-Relish

  1. Ich bin eigentlich der Meinung, „zu viele Bücher haben“ gibt es gar nicht, das gilt auch für Kochbücher. Aber ich gebe dir schon recht, manchmal muss man aussortieren, wenn man partout nicht draus kocht. Mittlerweile schaue ich mir die Kochbücher auch vorher immer einmal durch, bevor ich sie kaufe. Unsere Stadtbibliothek hat auch eine super Auswahl, da leihe ich manchmal auch welche aus.

  2. Zwar mag ich keine rote Bete…. (g)- deine Enstellung zu den Kochbüchern gefällt mir. Hier wird auch immer wieder aussortiert. In letzter Zeit nehme ich auch öfter mal wieder meine alten Schwarten zur Hand, um festzustellen- auch dort gibt es viel lohnenswertes zu entdecken, es muß nicht immer der neueste Hype aus diesem Internetz sein.

    1. Da stimm ich dir voll und ganz zu: meine Mutter musste mir erst am Wochenende das Rezept von ihrer Linzer Torte aus einem Dr. Oetker Backbuch schicken, das sie zur Hochzeit (vor über 30 Jahren) gekriegt hat.

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