Im Bücherregal: Neue Heimat (Tim Mälzer)

Das Buch wurde mir freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Das hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Rezension – diese entspricht zu 100% meiner eigenen Meinung.

Tim Mälzer – er dürfte wohl jedem hier ein Begriff sein. Gelernter Koch, Besitzer mehrerer Restaurants und bekannt aus diversen Fernsehsendungen. Hier soll es um sein neustes Werk gehen: sein Kochbuch „Neue Heimat“, das beim Mosaik Verlag erschienen ist. Es ist das Nachfolgekochbuch von „Heimat“ und präsentiert die deutsche Küche, die nicht erst durch Spaghetti Bolognese und Pizza einen internationalen Einschlag bekommen hat. Das klingt spannend und macht mich neugierig.

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Der erste Eindruck:
Ganz schön bunt und so viele Bilder! Jedes Rezept hat ein eigenes Bild – immer ein Plus für mich. Die Rezepttitel sind oft in verschiedenen Schriftarten, was auf mich etwas unruhig wirkt, aber gut, diese sehr wilde Gestaltung begegnet heutzutage nicht mehr nur in Zeitschriften, sondern auch in vielen Kochbüchern. Fast scheint es, als ob jede einzelne Seite mit den anderen in Konkurrenz steht und um Aufmerksamkeit buhlt. Neben den Rezeptbildern gibt es diverse Eindrücke vom Straßenleben in deutschen Großstädten oder auch Tim Mälzer beim Kochen.

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Inhalt:
Die Überforderung legt sich nach dem ersten Durchblättern und ich finde mich gut in den einzelnen Kapiteln zurecht. Das Buch ist in elf Kapitel gegliedert – die Titel sprechen für sich:

  • Salat
  • Hack
  • Suppe
  • Wurst
  • Vegetarisch
  • Fisch
  • Fleisch
  • Geflügel
  • Pasta
  • Grillen
  • Süss

Die Kapitel werden immer wieder unterbrochen durch kurze Berichte unter der Überschrift „Meine Mudda, deine Mudda“. Darin wird ein Gericht genommen (zum Beispiel Milchreis) und dann aufgezeigt, wie international dieses Essen eigentlich ist, weil es in anderen Ländern so ähnlich zubereitet wird und ebenfalls eine Tradition ist. Diese Blickrichtung finde ich wirklich super! Völkerverständigung kann so einfach durch den Magen gehen 😉 Ein Pluspunkt ist natürlich auch das Lesebändchen, das ich gerne benutze, um mir das Rezept zu markieren, das als nächstes gekocht werden soll.

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Die Rezepte:
Allein anhand der Kapitel seht ihr schon, dass die „Neue Heimat“ sehr viel mit Fleisch zu tun hat. Und dennoch ist meine Nachkochliste reeelaaativ vegetarisch:

  • Der ultimative Steckrübeneintopf mit Hackbällchen: Wärmt wunderbar von innen – die Hackfleischmenge hatte ich großzügig halbiert, dass es nur drei Bällchen pro Person gab.
  • Tomaten-Paprika-Suppe mit Parmesanbröseln: Lecker! Insbesondere die Brösel oben drauf runden die Suppe klasse ab und geben das gewisse Extra.
  • Kürbisrisotto: Ein Klassiker, der im Rezept mit Pilzen serviert wird, die ich aber weggelassen habe. Trotzdem gut
  • Ofenforelle mit Cima di Rapa: den wilden Brokkoli hab ich nicht gekriegt, gab es halt normalen. Die Forelle wird mit Bröseln bestreut, die zwar gut schmecken, aber ich persönlich ess nicht gerne die Haut von Fisch, deswegen hat mich das etwas gestört, dass ich die Brösel da wegpulen musste. Der Fisch bleibt aber wunderbar saftig.
  • Maispoularde mit Wirsing: Schnell gemacht und die Brühe, die in der Form entsteht, schmeckt dank Miso, Limette, Ingwer und Honig sensationell gut!
  • Pasta mit Radicchio und Cranberrys: den Speck hab ich weggelassen und dafür mehr Käse verwendet. War okay, eine interessante Abwechslung zu den sonst üblichen cremigen Saucen.
  • Haselnuss-Honig-Streusel: die sind klasse! Gab es schon mehrmals, weil man dadurch einen einfachen Obstsalat oder Joghurt mit Kompott ganz einfach toppen kann. Rezept kommt!

Die Rezepte sind gut erklärt und gegliedert und auch die (meisten) Zutaten erhält man problemlos. Einige Klassiker der deutschen Küche werden modernisiert und mit internationalen Zutaten serviert: so schwimmt beispielsweise die Räuchermakrele im Tomatenfond, der Grünkohl wird mit Chorizo serviert oder das gute alte Brathühnchen wird mit Curry gewürzt und mit Süßkartoffeln auf den Tisch gebracht. Da gibt es noch einige Rezepte, die mich reizen und die es sicherlich noch geben wird!

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Kaufempfehlung:
Ach, ich will dieses Buch mögen und war von der Verlagsvorschau total gespannt und habe mich auf das neuste Mälzer-Werk gefreut. In Zeiten, wo mancherorts wieder Naziparolen erklingen, ist es so wichtig aufzuzeigen, dass unsere deutsche Küche schon längst italienisch, griechisch und syrisch schmeckt. Heutzutage wird eben weniger der mütterliche Sauerbraten als Lieblingsessen genannt, sondern der Döner oder die Falafel. Allein deswegen hat das Kochbuch eine Daseinsberechtigung!

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Aber es ist für mich eher ein Sonntagskochbuch als eines, was auch an den restlichen Tagen in der Woche zum Einsatz kommt. Der Grund ist, dass die Anzahl an vegetarischen Gerichten verschwindend gering ist und das Fleisch meistens die Hauptrolle spielt, so dass es auch nicht einfach rausgekürzt werden kann. Das finde ich weder zeitgemäß noch nachhaltig wie es in der Info vom Verlag steht! Insbesondere in Verbindung mit dem Stichwort „Neue Heimat“ sollte das anders sein: es sind in den letzten Jahren so viele großartige vegetarische Gerichte auch in Deutschland heimisch geworden, dass ich es sehr schade finde, wie wenig dieser Aspekt beachtet wird. Vielleicht liegt das daran, weil Tim Mälzer schon ein vegetarisches Kochbuch veröffentlicht hat, aber genau deswegen sollte er ja wissen, wie vielfältig sich die Gemüseküche präsentiert. Und in Zeiten von Klimaerwärmung, konventioneller Tierhaltung & Co finde ich es umso wichtiger, den Menschen aufzuzeigen, wie einfach und lecker ein Essen ohne Tier sein kann.
Deswegen ist dieses Kochbuch definitiv nichts für Vegetarier und auch bei mir wird es zwar für den Sonntagsbraten gerne in die Hand genommen, aber halt auch nur dann. Schade, „Neue Heimat“ könnte noch viel mehr sein!

Tim Mälzer: Neue Heimat Kochbuch
Mosaik Verlag
304 Seiten, zahlreiche Fotos
ISBN: 978-3-442-39338-1
20€

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4 Gedanken zu “Im Bücherregal: Neue Heimat (Tim Mälzer)

  1. Das finde ich auch immer etwas schade, eine ausgewogenere Auswahl würde sicher auch die Verkaufszahlen erhöhen, denn viele Vegetarier würden es sicher trotzdem kaufen, auch wenn Fleischrezepte enthalten sind. Also, ich jedenfalls.

    1. Verständlich 🙂 Die Rezepte mit Speck lassen sich noch gut veganisieren, aber die meisten Rezepte sind halt leider echt auf Schwein, Rind & Co ausgelegt… das bleibt dann ohne diese Hauptzutat nur noch wenig übrig.

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