Im Bücherregal: Das Grossbritannien Kochbuch (Herausgeber: William Sitwell)

Das Buch wurde mir freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Das hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Rezension – diese entspricht zu 100% meiner eigenen Meinung.

Im Juli diesen Jahres war ich zum allerersten Mal in England – jep, ich war schon an ganz anderen Enden der Erde, aber die eine Flugstunde nach London hatte ich bisher noch nicht zurückgelegt. Die Vorfreude war bei mir rießig und wurde durch das Grossbritannien Kochbuch vom Knesebeck Verlag noch gesteigert.

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Der Herausgeber:
Das Grossbritannien Kochbuch lässt sich nicht auf einen Autor reduzieren, denn auf über 400 Seiten tummelt sich alles, was die britische Küche aktuell zu bieten hat. Deswegen soll an dieser Stelle nur kurz auf den Herausgeber des Buches, William Sitwell, eingegangen werden, dessen Anliegen es ist, diese Vielfalt zu präsentieren. Die Rezepte wurden unter dem Gesichtspunkt ausgewählt, was die Köche und Bäcker selber gerne für ihre Liebsten machen – dementsprechend bunt ist auch die Auswahl, dazu gleich mehr.
In Vorwort verschweigt William Sitwell aber auch nicht die Probleme, die mit Ernährung verbunden sind. Auf der einen Seiten gibt es den „übermäßigen Konsum von Fleisch“ während andererseits auch in Grossbritannien Menschen hungern. Ein Teil des Erlöses aus dem Buchverkauf geht deswegen auch an den Trussell Trust, der in England Tafeln anbietet.
Die Fotos im Buch stammen von der Fotografin Lizzi Mayson, die mit Hilfe von Tabitha Hawkins auch die Porträts der im Buch vorgestellten Köche und Bäcker machte.

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Der erste Eindruck:
Ganz schön schwer! 1625g bringt das Buch auf die Waage. Der Untertitel verspricht „die besten Rezepte von 100 Chefköchen, Bäckern und Food Heroes“ und beim ersten Durchblättern bekommt man wirklich den Eindruck, dass hier drin alles versammelt ist, was Rang und Namen in der britischen Küche hat: die altbekannten Vertreter wie Jamie Oliver, Yotam Ottolenghi oder die Hemsley-Schwestern sind ebenso vertreten wie mir gänzlich unbekannte Gastronominnen (Prue Leith oder Angela Hartnett) und Köche (Gary Lee oder Nathan Outlaw). Jedes Rezept ist mit mindestens einem Foto bebildert und alles wirkt appetitlich, natürlich – so als ob man sich mit den Köchen und Köchinnen selbst an den Tisch setzt. Gleichzeitig bin ich aber auch von der enormen Bandbreite an Rezepten etwas überfordert und brauche einen Moment bis ich das erste Gericht finde, das ich nachkochen will.

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Inhalt:
Nach dem oben erwähnten Vorwort des Herausgebers William Sitwell geht es gleich an die Rezepte. Das Kochbuch ist in sechs Kapitel gegliedert:

  • Frühstück: der Start in den Tag ist süß mit Armen Ritter aus Brioche (von Joanna Brennan, Pump Street Bakery) oder der Erdbeerkonfitüre (von Rachel Benson & Martin Baker, Old Sleningford Farm).
  • Vorspeisen & Snacks: es gibt frittierte gefüllte Oliven (Antonio Carluccio, Koch & Autor), gefüllte Blätterteigrolle (Sarah Webb, Hobbyköchin) oder auch eine Soba-Nudelsuppe mit Enteneiern (Alice Hart, Küchenchefin & Autorin) – schon hier zeigt sich eine sehr internationale Mischung!
  • Fisch & Meeresfrüchte: England ist von Meer umgeben und so gibt es (Gott sei Dank!) nicht nur Fischfilet, sondern auch Hot Buttered Crab (gefüllter Krebs von Tom Parker Bowles, Autor & Gastrokritiker) oder Blutwurst und geräucherten Schellfisch (Henry Harris, Koch & Importeur)
  • Geflügel, Fleisch & Wild: dieses Kapitel ist das längste und präsentiert wieder eine herrlich bunte Mischung von traditionell englischen Rezepten wie gebratene Rebhühner mit Kohl & Topinambur (Jeremy Lee, Quo Vadis) oder Rippenbraten (Pippa Middleton, begeisterte Esserin) und internationalen „Einwanderern“ wie Schweinefleisch-Pibil aus Mexiko (von Thomasina Miers, TV-Moderatorin & Köchin) oder auch marokkanisches Lamm mit Hummus, Harissa & Auberginendip (Gary Lee, Küchenleiter The Ivy).
  • Pasta, Risotto & Beilagen: hier merke ich einen starken italienischen Einschlag mit Panzanella (Ruth Rogers, The River Café), der Spinat-Pasta-Rolle (Anna del Conte, Autroin) oder diversen Risottorezepten. Es finden sich in diesem Kapitel aber auch einige Salatrezepte oder eine Tarte Tatin mit roten Zwiebeln (Lorraine Pascale, Köchin & TV-Moderatorin).
  • Kuchen & Desserts: verwirrenderweise beginnt das Kapitel mit Burgerbrötchen, schwenkt dann aber sofort um auf Clafoutis (von Raymond Blanc), Schokoladenkuchen mit Guiness (von Nigella Lawson, Autorin & TV-Moderatorin) und Pavlova (Hugh Fearnley-Whittingstall, River Cottage).

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Das Buch endet mit umfangreichen Registern: das erste ist nach Zutaten geordnet, das zweite nach Unverträglichkeiten und Ernährungsweisen(Gluten- und Laktosefrei, vegetarisch) und listet schließlich noch die Köche und Köchinnen mit ihren jeweiligen Rezepten alphabethisch auf. Etwas Abzug muss ich für das erste Register geben: wird eine Zutat nicht im Rezepttitel genannt, findet man sie auch nicht im Register. Das finde ich etwas unpraktisch, weil ich mich oft nicht mehr an den Titel erinnere, sondern lediglich die Zutaten weiß.
Nicht vergessen zu erwähnen will ich die Portäts einiger Köche und Köchinnen: die Bilder sind sehr stimmungsvoll, natürlich und die Porträtierten kommen jeweils noch mit einem kurzen Zitat zu Wort, was ihnen wichtig ist. Ein sehr schönes Detail, das der britischen Küche Gesichter verleiht.

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Die Rezepte:
Was habe ich bisher nachgekocht? Ich muss zugeben, dass aufgrund des heißen Sommers das Kapitel zum Fleisch etwas zu kurz gekommen ist – mir war es mehr nach leichteren Gerichten. Aber ich bin mir sicher, dass ich das ein oder andere Rezept bald noch ausprobiere. Bisher gab es:

  • Erbsenkroketten mit Minze (Yotam Ottolenghi): Die Minze hab ich zwar weggelassen, aber ich glaub daran lag es nicht, dass die Kroketten nicht so gut zusammenhalten wollten. Egal, geschmacklich waren die lecker!
  • Bruschetta mit Ziegenkäse und Rote-Bete-Relish (Rachel Benson & Martin Baker): ich liebe dieses Relish! Passt nicht nur wie im Rezept vorgeschlagen zu Ziegenkäse, sondern auch zu Grillfleisch. Lecker!
  • Burrata mit Linsen & Basilikumöl (Russell Norman): Ungewöhnlich, aber sooo toll, wenn die Burrata in den noch warmen Linsen etwas schmilzt.
  • Keftedes (Kalbfleischbällchen von Rick Stein): würzig mit Kräutern abgeschmeckt und in einer Tomatensauce gegart, gut!
  • Risotto mit Erbsen, Ricotta & Zitronenschale (Ruth Rogers): eine klassische Kombination, auch wenn ich faul war und TK-Erbsen verwendet habe. Lecker, damit kann man nichts falsch machen.
  • Zucchininudeln mit Avocado-Pesto (Ella Mills): ist schon in Ordnung, aber Zucchinis können und werden nie echte Spaghetti ersetzen. Als leichtes, schnelles Essen aber mal okay 😉
  • Mit Harissa glasierte Auberginen (Marcus Wareing): Ganz schön scharf, aber sehr lecker! Salat dazu und man hat ein feines, leichtes Abendessen.
  • Emmer mit Lauch und rauchig-süßer Romesco-Sauce (Anna Jones): den im Ofen gebackenen Lauch fand ich unpassend dazu, ansonsten aber ist der Kürbis und die Paprika-Mandel-Sauce wirklich super!
  • Zwetschgeneiscreme (Stevie Parle): Rezept kommt am Wochenende – sooo gut, wir konnten nicht genug kriegen!

Alle Rezepte haben bei mir sehr gut funktioniert, sind verständlich beschrieben und die Zutaten habe ich auch problemlos besorgen können. Wie schon erwähnt finde ich die Vielfalt an Rezepten sehr reizvoll und sehr zeitgemäß: genau so bunt wie im Buch dargestellt hat sich mir auch London bei meinem Besuch präsentiert. Nicht nur was die Herkunft der Gerichte angeht, herrscht Vielfalt, sondern auch was die Verwendung von Fleischstücken angeht: es gibt wenig Gerichte, die das Filet des Tieres benötigen. Vielmehr finden sich Rezepte, die Innereien oder ganz andere Tiere verwenden (Taube, Fasan). Zwar gibt es auch viele vegetarische Rezepte, aber insgesamt überwiegt doch die Anzahl der Gerichte, die Fisch und Fleisch beinhalten. Ich denke, das bildet recht genau die Haltung der Gesellschaft zum Fleischkonsum ab: mehr vegetarisch wäre zwar besser, aber trotz besserem Wissen greift man noch zu oft zum Fleisch.

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Kaufempfehlung:
Wer nach wie vor das Vorurteil pflegt, dass man in Grossbritannien dreimal täglich frühstücken müsse, um satt zu werden, wird mit diesem Buch eines besseren belehrt. Die britische Küche präsentiert sich hier wunderbar international und vielfältig und somit ist das Buch eher weniger für diejenigen unter euch, die ein Kochbuch zur traditionellen britischen Küche wollen. Ja, es finden sich Klassiker darin, aber doch eher Rezepte aus aller Welt, die inzwischen in England beheimatet sind. Auch die Vegetarier werden sehr viele Seiten überblättern müssen.
Ansonsten kann ich das Grossbritannien Kochbuch aber wärmstens empfehlen: für jede Tageszeit und jede Gelegenheit findet sich hierin ein passendes Essen. Darüberhinaus vervollständigen die Porträts der Köche und Köchinnen das Kochbuch und geben dem ganzen eine persönliche Note. Ich freue mich schon auf meine nächste Reise nach Grossbritannien und dann schaffe ich es vielleicht ja auch, den ein oder anderen Koch in seinem Restaurant zu besuchen 🙂

William Sitwell (Herausgeber): Das Grossbritannien Kochbuch. Die besten Rezepte von 100 Chefköchen, Bäckern und Food Heroes.
Knesebeck Verlag
428 Seiten, zahlreiche Fotos
ISBN 978-3-95728-095-4
40,00€

 

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7 Gedanken zu “Im Bücherregal: Das Grossbritannien Kochbuch (Herausgeber: William Sitwell)

  1. Also kein Wildschwein mit Pfefferminzsauce 🙂 ?
    Sehr gut beschrieben. Mir geht es auch oft so, dass ich das zu fleischlastig finde. Aber vielleicht haben meine Eltern ihren Weihnachtswunschzettel schon angefangen, da könnte das drauf (und ich kann ja mitlesen).
    Viele Grüße
    Ilka

  2. Da hast du dich ja schonmal ziemlich durch das Buch durchgekocht. Klingt spannend – vor allem für jemanden mit britischen Wurzeln. Ich finde auch, dass die britische Küche durchaus oft unterschätzt wird.

    Viele Grüße von den Münchner Küchenexperimente!

  3. Klingt ziemlich lecker, was du ausprobiert hast. Ich war nur zweimal in GB und hatte widersprüchliche kulinarische Erfahrungen. Allerdings glaube ich, dass alles in letzter Zeit besser wurde 🙂

    1. Ich bin mir sicher, dass man (nach wie vor) überall schlechte kulinarische Erfahrungen machen kann. Im Vorfeld der Reise habe ich viele Blogs gelesen und so einiges an Tipps rausgeschrieben, weswegen London ein voller Erfolg wurde.

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