Im Bücherregal: Molly’s Kitchen von Molly Yeh

Einer der Büchertrends der letzten Jahre ist es, Blogger ausgehend von ihrem Blog ein Kochbuch schreiben und veröffentlichen zu lassen. Viele der Blogger kenne ich schon, den ein oder anderen lerne ich aber erst durch das gedruckte Werk kennen – verrückt, ich weiß! Schon fast altmodisch, aber irgendwie auch klar, weil die Fülle an Kochblogs schier unendlich ist. Deswegen war mir der Blog von Molly Yeh auch nicht bekannt bis ich vom Südwest Verlag ihr Buch zugeschickt bekam.

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Die Autorin
Was für ein spannender, beeindruckender Lebensweg! Molly Yeh studierte Percussion an der Juilliard-Musikschule in New York, spielte in zahlreichen Orchestern und entdeckte dort in NYC einerseits ihre Liebe zum Essen und andererseits ihre Liebe zu „Eggboy“, einem Farmerjungen aus North Dakota. Ihren Blog „My name is Yeh“ begann sie schon in New York, aber erst mit ihrem Umzug in den Mittleren Westen auf die Zuckerrübenfarm ihrer Schwiegereltern wurde dieser zum Vollzeitjob. Klar, ausgebildete Percussionisten braucht es in der Gegend nicht so viele 😉 Deswegen heißt ihr Kochbuch auf Englisch auch „Molly on the range“ – im Deutschen wird daraus: „Stadt, Land, Genuss“ um den Wohnort der Autorin anzudeuten.

Der erste Eindruck
Ui, ganz schön viel Text für ein Kochbuch! Und was für süße Zeichnungen! Und hach, das Landleben muss schön sein: viel leckeres Essen, immer gut gelaunte Leute, die Partys unter freiem Himmel feiern und in Küchen arbeiten, die mit einem klaren Farbkonzept ausgestattet sind 🙂 Visuell ist das Buch sehr ansprechend und macht Lust, sofort loszukochen.

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Inhalt
„Molly’s Kitchen“ ist inhaltlich in vier große Kapitel unterteilt:

  • Einleitung: herrlich locker und entspannt schildert Molly ihr Leben ausgehend von ihrer Kindheit in einem Vorort von Chicago über die Station in New York City bis zu ihrem jetzigen Leben auf der Farm. Außerdem gibt sie einige Hinweise zu den Zutaten, beispielsweise welches Mehl und Salz sie verwendet oder dass sie auch Instantbrühe verwendet.
  • Frühstück und Brunch: jedes der Kapitel beginnt mit einigen Seiten Einleitung über ihre Essgewohnheiten in einer bestimmten Lebensphase. Das Frühstückskapitel referiert über ihre kindliche Ernährungsweise bevor dann Rezepte wie Würstchen im Schlafrock am Stiel, Kardamom-Orangen-Kubaneh oder Challa-Waffeln mit Frühstücksrindfleisch vorgestellt werden.
  • Hauptgerichte (und anderes leckeres Zeug): egal ob vegetarische Gerichte wie diverse Pizzen, Makkaroni-Variationen oder ein deftiges Gulasch aus dem Slow Cooker – hier findet jeder was nach seinem Geschmack!
  • Snacks und Partyfood: für solche Gelegenheiten hält Molly beispielsweise „Jerusalem-Bagel Dogs“, eine Art Stockbrot bereit oder veranstaltet an Weihnachten eine Klösschen- und Teigtaschenparty, bei der die ganze Familie um den Tisch sitzt und sich am Füllen beteiligt.
  • Desserts und Kuchen: es wird süß! Von freakigen Kombinationen wie dem Regenbogen – Cookie – Salat über einfache Zucker-Cookies bis zur Funfetti-Torte wird allerlei Süßzeug aus ihrer Küche präsentiert.

Das Buch endet mit der Danksagung und einem ausführlichen Register, das das Finden von Rezepten einfach macht.

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Die Rezepte
Die Rezeptauswahl ist unglaublich breit gefächert: da gibt es uramerikanisches Fastfoodzeug wie beispielsweise Hotdog Cheese (Würstchen und Schmelzkäse in der Mikro erhitzen, Ketchup drüber, fertig!), traditionelles Essen aus dem Nahen Osten (Hummus, Schakschuka-Couscous oder Challa -eine Art Hefekranz) bis zu Neuinterpretationen von jüdischen Gerichten (Babka mit Chili und Käse oder Kaffee-Halwa). Nachgekocht habe ich bisher:

  • Rösti mit Rosenkohl: wird als nächster Beitrag verbloggt, lecker!
  • Vorzeigesalat: eine erstaunlich geringe Menge Blattsalat wird unter Croutons, Bacon, Avocado, Eiern und Parmesan versteckt und mit einem Senf-Honig-Dressing übergossen, sehr lecker, aber ähm, gesund und leicht ist das nicht mehr 🙂
  • Pizzataschen: die Calzone erhalten hier jede Menge Füllung (u.a. Ananas, Speck, Mozzarella, Ricotta und Barbecuesauce) und bieten somit sehr viel Verbrennungspotential. Heiß, aber sooo gut! Mit Ricotta kann man nichts falsch machen!
  • Gulasch aus dem Slow Cooker mit Knödeln: das Gulasch erwartete uns nach einer Wanderung super zart und aromatisch, die Knödel fielen leider beim Kochen auseinander, haben aber trotzdem geschmeckt.
  • Hotdish mit Frühlingsgemüse und Quinoa: Lauch, Frühlingszwiebeln, Erbsen und Spinat vermischen sich mit Ricotta und jeder Menge Käse zu einem leckeren, sehr sättigenden Auflauf.
  • Knusprige Kartoffelspalten mit Feta-Muhammara: soooooo meeeegaaa gut! Geröstete Paprika werden mit Mandeln und Feta zu Muhammara püriert und mit den Kartoffeln gegessen, so einfach, aber boah, so lecker!!!
  • Mums Brownies: gefährlich schnell gemacht; die Zuckermenge hab ich reduziert, dann war es perfekt und fast genau so schnell gegessen wie gebacken.
  • Kokostorte: selbst der weniger Kokos-affine Freund hat anerkennend den Kuchen gegessen. Ohne Buttercreme oben drauf zwar nicht so glamourös, aber sehr alltagstauglich.

Alle Rezepte haben anstandslos funktioniert und uns gut geschmeckt. Bei den Backrezepten gilt es lediglich, die Zuckermenge dem eigenen Geschmack anzupassen. Die Nachkochliste ist allerdings noch längst nicht abgearbeitet. Mir fehlen noch komplett die zahlreichen Teigtaschenvariationen und die Makkaronirezepte und und und… Auch noch nicht nachgemacht habe ich ihre Kuchenrezepte mit Tahini. Dieses Sesammus konnte mich bisher noch nicht so überzeugen, aber vielleicht schmeckt es mir in Kombination mit Schokolade ja besser als im Hummus?! Die Zutaten für die Rezepte sollten in jedem Supermarkt zu bekommen sein. Wer allerdings vermehrt auf die schlanke Linie achten will, der findet in Molly’s Kitchen eher weniger geeignete Rezepte. Für den Cheatday allerdings jede Menge Inspiration 🙂

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Kaufempfehlung?
Ich gebe zu: anfangs war ich skeptisch und dachte mir, dass da zu viele zu amerikanische Fertiggericht drin seien. Aber nein, diese Befürchtung hat sich nicht gehalten und ich bin sehr überzeugt von dem Kochbuch. Es ist ein bisschen verrückt, nicht brav und gesittet, sehr umgangssprachlich und es gibt jede Menge zu lesen. Wem die Art von Deb Perelmanns Smitten Kitchen zusagt, wird sich sicher auch für Molly’s Kitchen begeistern können. Auch wer sich für moderne Neuinterpretationen von klassischen jüdischen Gerichten interessiert, wird sich über dieses Kochbuch freuen. Es sind sehr viele vegetarische Gerichte drin, einige sind sogar laktose- und glutenfrei. Kleiner Bonuspunkt meinerseits: drei Slowcookerrezepte sind enthalten, worüber ich mich besonders freue! Und wenn ich mir anschaue, was ich noch unbedingt alles nachmachen will, wird deutlich, dass ich euch das Buch aus ganzem Herzen empfehlen kann.

Molly Yeh: Molly’s Kitchen. Stadt, Land, Genuss – vom Glück, zu kochen und zu genießen
Südwest Verlag
304 Seiten, gebundene Ausgabe, jede Menge Fotos
ISBN: 978-3-517-09622-3
24,99 €

Das Buch wurde mir freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Das hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Rezension – diese entspricht zu 100% meiner eigenen Meinung.

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6 Gedanken zu “Im Bücherregal: Molly’s Kitchen von Molly Yeh

  1. Liebe Miriam,
    vielen Dank für die ausführliche Rezension, ich freue mich stets darüber, wenn ich einen intensiveren Einblick in ein neues Kochbuch bekomme. Viel Text schreckt mich nie ab, im Gegenteil – ich mag es, wenn Autoren aus dem Nähkästchen plaudern. Das ist häufig richtig interessant und die Rezepte nutze ich gerne als Inspirationsquelle, was nicht passt, kann abgewandelt werden, diese Freiheit nehme ich mir auch immer raus. So – und jetzt schaue ich mir mal Molly´s Kitchen an.
    Liebe Grüße
    Sigrid

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Sigrid!
      Meistens geht es mir auch und ich finde, es macht den Reiz von KochBÜCHERN aus, dass eben nicht nur Rezepte, sondern auch Geschichten drumrum präsentiert werden. Nigel Slater geht mit seinen Küchentagebüchern ja auch in die Richtung.
      Lg und dir einen schönen Sonntag!
      Miriam

      Gefällt mir

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