Ein HochgeNuss: Gefülltes Brathuhn mit Apfel und Kastanien

Manche Vorstellungen halten sich auch bei mir, die ich mich kulinarisch für sehr aufgeschlossen halte, erschreckend lange. So ging es mir mit Brathähnchen. Wenn ich mich an meine Kindheit zurück erinnere, dann gab es eigentlich fast nie ganze Hähnchen zu essen. Lediglich meine Omi kaufte ein, zwei Mal bei diesem Hähnchenstand vor dem Supermarkt ein Hähnchen, was wir dann daheim bei ihr aßen. Im Gegensatz zu den meisten am Tisch fand ich die Haut einfach nur eklig: gummiartig, knallrot-orange von den viel zu salzigen Gewürzen und alles klebte. Kein Wunder, dass meine Omi immer meterweise Küchenpapier bereit hielt um die Enkel in kurzen Abständen abzuwischen.

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Auch mochte ich das Abnagen vom Knochen überhaupt nicht. Mein Bruder wollte immer am liebsten die Keule und ich hoffte auf irgendein Stück mit möglichst wenig Knorpeln, Gelenken und Knochen. Als ich dann irgendwann selber mal so ein Hähchen zubereitete, stopfte ich dem Tier ne Zitrone in den Popo, wendete, drehte und joa, es war okay, aber nicht so überzeugend als dass ich es nochmal machte.

Der Ehrgeiz und die Neugier packte mich jedoch als ich dieses Rezept hier fand: das Hühnchen wird entbeint, sprich, sämtliche Knochen werden entfernt, lediglich die Beine und Flügel dürfen drin bleiben. Somit eliminiert man das Herumkauen auf Knochenteilen beim Essen fast vollständig. Und dann werden auch noch Esskastanien verwendet und die mag ich einfach wahnsinnig gern! Also schaute ich mir auf YouTube Videos übers Entbeinen an und machte mich ans Werk. Um ehrlich zu sein: ich brauch noch Übung, aber das Ergebnis lohnt sich! Traut euch ran!

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Die Füllung aus Maronen, Brot und jeder Menge Butter kommt zwischen Haut und Fleisch. Ich sag euch: wir haben geschlemmt! Es war so gut, dass ich das Brathuhn innerhalb eines Monats zwei Mal gemacht habe, ich muss schließlich meine Metzgerqualitäten üben 😉

Mit der Maronenfüllung passt das Rezept auch genau zu Inas Blogevent: es ist nämlich ein echter HochgeNUSS – bis zum 15. November noch sammelt sie jede Menge Inspiration rund um zehn verschiedene Nüsse. Da steuer ich doch zu gern dieses köstliche Hühnchen bei. Vielleicht lässt sich durch diese Kreation ja noch der ein oder andere davon überzeugen, dass so ein selbst gefülltes Brathuhn wahnsinnig lecker ist! Ein echtes Sonntagsessen – passend zum heutigen Tag 🙂

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Zutaten (für 4 Personen):
1 TL Rapsöl
2 EL fein gewürfelte Schalotte
120g Esskastanien, geschält und fein gewürfelt
1/2 Apfel, fein gewürfelt
160g Brotbrösel aus Roggenbrot
225g Butter, zimmerwarm
2 EL gehackte Petersilie
1 TL Salz
1 Huhn (1,3 bis 1,5kg)

In einer mittelgroße Sauteuse bei schwacher Hitze das Öl erhitzen. Die Schalotten darin 3 bis 4min glasig dünsten. Die Kastanien und den Apfel hinzufügen und 8 bis 10min weiterdünsten. In eine Schüssel geben, Brotbrösel, Butter, Petersilie und Salz unterheben und alles gründlich mischen. Die Masse in einen Spritzbeutel geben und bei Zimmertemperatur bereithalten.
Das Huhn parieren und alles überschüssige Fett aus der Bauchhöhle entfernen. Zum Entbeinen das Huhn mit der Brust nach unten auf ein Schneidbrett legen. Mit einem scharfen Messer oder der Geflügelschere auf beiden Seiten der Wirbelsäule entlang schneiden und diese herausnehmen. Das Brustbein mit den Händen brechen und das Huhn flachdrücken. Mit dem Ausbeinmesser Rippen und Schulterknochen entfernen. Rund um die Flügel einschneiden, die Spitze der Flügel abschneiden und die Knochen freilegen, so dass 5cm herausschauen. Die Oberschenkelknochen entfernen und die Unterschenkel freilegen. Das Gabelbein entfernen. Das Huhn sollte nun bis auf die Beine und Flügel knochenlos sein. Die Haut darf dabei nicht einreißen.
Auf beiden Seiten der Brust einen kleinen Einschnitt anbringen und die Flügelknochen in die Brust stecken. Die Beine kreuzen und unter die Haut stecken, damit sie in Position bleiben. Mit den Fingern die Haut vom Fleisch lösen, um Platz für die Füllung zu schaffen.
Die Apfel-Kastanien-Füllung unter die Haut der Beine und der Brust spritzen und die Füllung gleichmäßig verteilen. Das Huhn etwa 2h kühl stellen bis die Füllung fest wird.

ZUM FERTIGSTELLEN:
2 EL Rapsöl
8 möglichst kleine Äpfel, halbiert
2 Knollen Knoblauch, quer halbiert
30g Esskastanien, geschält
30g Cipollini-Zwibeln, halbiert und geschält (ich: weg gelassen)
30g Perlzwiebeln, geschält (ich: weg gelassen)
Salz
1 Bund Rosmarin
1 Bund Thymian

Den Backofen auf 240°C vorheizen. Bei starker Hitze in einer großen, gusseisernen Pfanne das Öl erhitzen. Äpfel und Knoblauch mit den SChnittflächen nach unten hineinlegen, Kastanien und Zwiebeln hinzufügen und alles 3 bis 4 min goldgelb anbraten. Die Zutaten an den Rand schieben und das Huhn mit der gefüllten Seite nach oben in die Mitte der Pfanne setzen. Salzen und 2min auf dem Herd anbraten.
Dann im vorgeheizten Backofen 35min braten, Rosmarin und Thymian hinzufügen und weitere 10 bis 15min goldbraun braten. Das Fleisch sollte an der dicksten Stelle der Brust eine Temperatur von 65° erreichen.
Das Huhn auf einem Drahtgitter 15min ruhen lassen, dann aufschneiden. Mit den gebratenen Äpfeln, Knoblauch, Kastanien und Zwiebeln servieren.

Quelle: I love NY (Daniel Humm, Will Guidara)

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17 Gedanken zu “Ein HochgeNuss: Gefülltes Brathuhn mit Apfel und Kastanien

      1. Meinst Du es wäre auch möglich das ohne das Entbeinen zuzubereiten? Bekomme ich dann auch die Füllung zwischen Haut und Fleisch? Es klingt so schön herbstlich und ich mag auch die Kombination aus Kastanien und Apfel.

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  1. Ich merke gerade, dass ich viel zu selten hier vorbeischaue. Pariertes Huhn, das habe ich noch nie gemacht, sieht super lecker aus. Das wäre etwas für uns, denn wir mögen die Knochen auch nicht besonders.
    Liebe Grüße
    Sigrid

    Gefällt 1 Person

  2. Hört sich lecker an. Und das sage ich, obwohl auch ich nicht so der riesige Fan von Brathühnchen bin…ich habe es bis jetzt 2 Mal selber gekocht. Das erste Mal auch so mit einer Zitrone im Popo :)))
    Aber die Haut mag ich sehr, sehr gerne.
    LG, Diana

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Miriam, ich sag nur: NOM! Das Rezept klingt super und die Bilder sprechen wohl für sich. Meine Mutter füllt unsere Weihnachtsgans auch oft mit Maronen und ich liebe den Geschmack! Vielen Dank, für das schöne Rezept.
    Lieben Gruß
    Ina

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  4. Liebi Miri, vielen Dank für das Rezept. Ich drücke mich auch immer vor „solchen Sachen“ wie Braten/Hähnchen, obwohl ich es auch schon als Kind liebte. Kannst du einen speziellen Youtube-Link empfehlen? Herzliche Grüsse Sonja

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    1. Hallo Sonja!
      Einen speziellen Link hatte ich nicht, ich hab zwei, drei Clips angeguckt unter dem Stichwort „Huhn entbeinen“. Die Clips waren alle nebenbei aufgenommen, deswegen hab ich gewechselt und geschaut, wo ich was am besten sehe.
      Ich hoffe, es schmeckt dir 🙂 Lg, Miriam

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