Im Bücherregal: I love NY von Daniel Humm & Will Guidara

Schon lange bevor wir zu bloggen anfingen, übten Kochbücher eine Faszination auf mich aus. Damals wie heute konnte ich sehr lange im Buchladen sitzen und ein Kochbuch nach dem anderen durchblättern. 2013 stieß ich auf „I love NY. Mein New York Kochbuch“ und war schlagartig verliebt -diese Bilder, die Herangehensweise, die Rezepte! Leider verpasste ich den Zeitpunkt, mir mein Exemplar zuzulegen und irgendwann gab es das Buch nur noch antiquarisch für bis zu 150€. Umso glücklicher war ich, als ich mitbekam, dass der at Verlag eine Neuauflage plante.

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Der erste Eindruck
Ja, genau so schwer und dick hatte ich „I love NY“ in Erinnerung. Ich blätterte andächtig Seite um Seite um, freute mich an den kleinen Strichmännchen, die mal eine Kirsche tragen oder im Boot fahren und bestaunte die sagenhaften Bilder! Gleichzeitig aber fragte ich mich bei dem ein oder anderen Rezept, ob es nicht etwas zu hoch gegriffen war, das Kochbuch eines Sternekochs zu rezensieren, wo ich doch nur eine recht bodenständige Hobbyküche pflege. Daniel Humm, der eigentlich aus der Schweiz kommt, wanderte 2003 nach San Francisco aus ohne überhaupt ein Wort Englisch zu sprechen. Seit 2006 führt er das Eleven Madison Park in New York, das mit drei Sternen vom Guide Michelin ausgezeichnet ist und 2017 zum weltbesten Restaurant auf der San-Pellegrino-Liste gewählt wurde.
Würde das Kochbuch solch eines Koches mehr zum Anschauen verdammt sein als tatsächlich als Kochinspiration zu dienen?

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Inhalt
Das erste Foto des Beitrags zeigt euch neben süßen kleinen Strichmännchen auch das Inhaltsverzeichnis. Zunächst erläutern Daniel Humm und Will Guidara, wie sie auf die Idee kamen, die Küche New Yorks und deren Produzenten zu porträtieren. Im Gebrauch dieses Buches wird ausdrücklich betont, dass aus diesem Kochbuch gekocht werden soll! Ab dem Beginn wird klar, dass hier detailliert gearbeitet wird, denn es wird vor den eigentlichen Rezepten aufgelistet, was mit Milch gemeint ist (Vollmilch), der Wein trocken, Salz grobkörnig sein soll und „gewürfelte“ Würfel eine Kantenlänge von 1/2cm haben.
Dann geht es auch schon an die Rezepte, die alphabetisch nach der entscheidenden Zutat aufgelistet sind – von A wie Ahornsirup bis Z wie Zwiebeln. Ein Stillleben der jeweiligen Zutat über eine Doppelseite läutet das neue Kapitel ein, darauf folgt die Vorstellung des Farmers und dann zwei bis drei Rezepte. Alle vorgestellten Produzenten befinden sich in einem Umkreis von 200km um New York City – das regionale Angebot prägt dieses Buch und macht es zu etwas Besonderem.
Denkt aber bitte nicht, dass nur ganz spezielle Zutaten vorgestellt werden, die man hier nicht bekommt – von wegen! Spargel, Tomaten & Co gibt es auch hier im regionalen Anbau, den örtlichen Metzger habt ihr hoffentlich auch schon besucht und Äpfel wachsen vielleicht sogar im eigenen Garten. Klar, eine Austernzucht hab ich nicht vor der Tür, aber selbst wenn wäre ich dort eher weniger Stammkunde 😉
„I love NY“ endet mit der Vorstellung von Produzenten von Kochgeschirr aus Kupfer, Meersalz und Steinzeug bevor dann Grundrezepte aufgelistet werden, auf die in den Rezepten verwiesen wird. Das Register ist einerseits nach Zutaten geordnet, allerdings finden sich auch die Rezepttitel -sprich, wenn man sich nicht mehr erinnert, in welchem Zutatenkapitel sich der „Manhattan Clam Chowder“ findet, kann man hinten nachgucken und erfährt so, dass dieser Eintopf bei den Venusmuscheln gelistet wird. Sehr praktisch und übersichtlich!

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Die Rezepte
Der Inhalt ist nur das eine, am wichtigsten ist an einem Kochbuch doch, ob die Rezepte funktionieren oder ob die zu abgehoben sind für eine Hobbyköchin wie mich. Auf den ersten Blick war ich erstmal erschlagen und fühlte mich leicht abgeschreckt: einerseits sehen viele Gerichte auf dem Rezeptbild sehr kompliziert und Sterneküche-mäßig aus, andererseits lesen sich die Zubereitungsschritte sehr aufwändig. Das liegt allerdings hauptsächlich daran, dass die einzelnen Schritte nicht nach 1., 2., 3. gegliedert werden, sondern separiert vorgestellt und dann erst zusammen gesetzt werden. Das empfinde ich aber durchaus als sehr hilfreich, denn dadurch wird das Risiko minimiert, dass man einen Schritt vergisst. Ein sehr durchdachter Aufbau also!
Auch meine Befürchtung, dass die Rezepte für mich lediglich schön zum Anschauen wären, traf nicht zu. In jedem Kapitel findet sich in der Regel ein herausforderndes „Sterneküche“-Rezept, aber auch mindestens ein Rezept, das problemlos für jeden nachkochbar ist. Das merkt ihr auch daran, was es bei uns schon alles gab:

  • New York Sour: aus Apfelschalen und Essig wird ein Sirup gekocht, welcher dann einen Cocktail aus Calvados und Ei süßt – außergewöhnlich! Und der Sirup hat mir den Sommer versüßt, auch ohne Alkohl sehr lecker und erfrischend!
  • Birnen-Kaffee-Kuchen: was für ein mega saftiger Kuchen! Birnenstücke werden über Nacht in Birnenbrand mariniert und dann verbacken – sooooo gut! Rezept folgt!
  • Hähnchenschnitzel-Sandwich: lecker solide und eignet sich auch als Resteverwertung von übrig gebliebenem Focaccia
  • Mast Brothers Chocolate Cookies: vielleicht hab ich meinen Ofen damals nicht im Griff gehabt, aber mir sind die Kekse etwas zu trocken geraten. Geschmacklich herb und bitter – mein Bruder war begeistert!
  • Warmer Brotsalat mit Tomaten: ein Teil der Tomaten wird gekocht, der Rest kommt dann roh dazu. Alles wird mit knusprigen Brotwürfeln serviert, lecker!

Das will ich unter anderem unbedingt noch machen (aber der Urlaub kam mir dazwischen):

  • Schinken-Ei-Sandwich: das kann nur gut sein!
  • Kürbissuppe: Kürbisse werden im Ofen gebacken und die Suppe dann auch darin serviert.
  • Gefülltes Brathuhn: ich hab schon so lang kein Hühnchen mehr gemacht, die Füllung mit Apfel, Kastanien, Knoblauch und Kräutern passt wunderbar in den Herbst
  • Walnusstorte mit Karamell und Meersalz: damit wird wieder Speck für den Winter angefuttert -klingt einfach zu gut!

Mein Fazit zu den Rezepten ist also sehr, sehr positiv. Alles hat geklappt, alles hat sehr gut geschmeckt! Wie gesagt, ein paar aufwändigere Rezepte stehen noch zum Ausprobieren aus, aber nach den bisherigen Erfahrungen her geh ich da völlig angstfrei ran. Das wird schon klappen und schmecken auf jeden Fall!!! Wer allerdings vorhat, sich kalorienarm zu ernähren oder vegetarisch / vegan lebt, der wird hier eher nicht fündig. Die verwendeten Fettmengen sind oft beachtlich, aber nun gut, wir wissen ja alle, was schmeckt 😉 Vegetarische Rezepte sind zwar schon einige drin, aber da würde ich mir eine Anschaffung nochmal überlegen.

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Kaufempfehlung:
Ja, 50€ sind viel Geld! Aber hier kriegt man wirklich viel dafür. Selbst wenn ihr das Buch nur zum Bestaunen der Bilder kaufen würdet, wärt ihr nicht enttäuscht – euer Magen vielleicht schon, weil es sich wirklich lohnt, daraus zu kochen. Wer ein New-York-Fan ist, wird in diesem Kochbuch eine ganz andere Seite der Stadt und der Umgebung kennenlernen. Es ist nämlich eben kein reines Kochbuch, sondern ebenso ein Loblied auf die Bauern und deren Leidenschaft für ihre Produkte. Das ist wirklich schon zu lesen und ermutigt, in der eigenen Umgebung sich mit den Produkten auseinander zu setzen. Und wenn ich mir anschaue, was ich daraus noch alles machen will und dass es den Birnen-Kaffee-Kuchen nicht erst einmal gab, kann ich erst recht empfehlen, sich dieses außergewöhnliche Kochbuch zuzulegen 🙂

PS: 2013 als die erste Auflage erschien haben schon einige Foodblogger Rezensionen veröffentlicht. Hier die Links zu ihren Meinungen: Kleiner Kuriositätenladen, Grain de Sel, Schöner Tag noch. Auf deren Blogs findet ihr auch Rezepte daraus.

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Daniel Humm & Will Guidara. I love NY. Mein New York Kochbuch
at Verlag
496 Seiten, viele, viele Fotos
ISBN: 978-3-03800-991-7
49,90€

Das Buch wurde mir freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Das hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Rezension – diese entspricht zu 100% meiner eigenen Meinung.

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