Gegen Geschlechterklischees: Ochsenkotelett mit Chimichurri

Ich weiß ja, Werbung lebt von Stereotypen. Und nirgendwo wird das für mich gerade so deutlich wie bei dieser Edeka-Werbung: Mann und Frau wollen grillen und natüüüüürlich will die blonde Dame, frisch vom Yoga kommend, weiter auf ihre schlanke Linie achten. Fleisch passt da ja gar nicht. Immerhin nimmt sie noch Lactose in Form des Minz-Joghurts auf dem Couscous-Salat zu sich. Ist die Frau erstmal abgelenkt, können die Männer in aller Ruhe über Fleisch sprechen.

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Auch diverse Kochbücher proklamieren die Geschlechtertrennung am Grill und bieten Rezepte für „echte Männer“ und „Mädchen“ an. Seuftz… ich will jetzt nicht alles auseinandernehmen, was mich da ankotzt, sondern lieber den Verzehr von diesem Ochsenkotelett schildern. Die Hauptrolle spielt ein Määäädchen.

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Es ist meine Cousine, die eigentlich kein Mädchen mehr ist, sondern eine wunderschöne junge Frau, blond, schlank -eigentlich perfekt für so einen Auftritt in der Grillwerbung geeignet. Vor einem guten halben Jahr hat sie sich dazu entschieden, für eine Zeit lang vegan zu leben. Einfach um es mal auszuprobieren, wie das ist, worüber so viel geredet wird. Zu Ostern hat sie beschlossen wieder Fleisch zu essen.

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Dann kam die Einladung zum Geburtstag meiner Eltern, an dem es neben den rießigen Ochsenkoteletts auch zarte Hähnchenbrust, Würstle oder Vegetarisches vom Grill gab. Denn die Frauen der Schöpfung würden ja wohl ganz sicher nicht bei diesem durchwachsenen blutigen Fleisch zuschlagen… das Rezept hat es ja schließlich schon für „echte Kerle“ ausgeschrieben. Ihr könnt es euch denken: allen Geschlechterklischees zum Trotz nahm meine Cousine nicht nur einen Anstandshappen, sondern griff zwei weitere Male zu. Jaaaa, ich habe es genau beobachtet 🙂
So ein Überraschungseffekt ist 2017 am Grill scheinbar noch nicht denkbar. Gut, dass es in meiner persönlichen Welt am Familientisch allen völlig egal ist, wer was isst oder nicht: weder die vegane Lebensphase noch der Verzehr des Männersteaks wurde kommentiert. Stattdessen Gelächter, Geschmatze und Lob über dieses fantastische Essen! So wie es sein soll 🙂

Übrigens: die Chimichurri passt auch super zu anderem Gegrillten, denn ich habe tatsächlich lieber bei anderen Leckereien als beim Ochse zugegriffen 😉 Nur um das Klischee zu bestätigen, dass ich als Määäädchen (wüüürg!) eher auf was anderes stehe, nur halt nicht auf Minze!

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Zutaten für die Chimichurri:
1 dickes Bund glatte Petersilie
2-3 Zweige Thymian
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2-3 gelbe oder rote Chilischoten (je nach pers. Geschmack)
100ml Sonnenblumenöl
knapp 40ml Weißweinessig
1 TL Rohrohrzucker
Salz

Zutaten für das Ochsenkotelett:
2 Ochsenkoteletts mit Knochen (à ca 600g, ca 3cm dick)
4 EL Sonnenblumen- oder Olivenöl
Pfeffer, Salz
Öl zum Bepinseln

Zubereitung:
Für die Chimichurri Kräuter waschen und trocken schütteln. Die Blätter sehr fein hacken. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken. Chilis waschen. 1 Schote mit den Kernen in hauchfeine Ringe schneiden oder hobeln und beiseitestellen. Restliche Schote(n) putzen, entkernen, halbieren und sehr fein würfeln.
Zwiebeln, Knofi und Chiliwürfel in 2 EL Sonnenblumenöl bei schwacher Hitze ca 5min andünsten, aber keinen Fall braten. Mischung etwas abkühlen lassen. Den Essig mit Zucker und 1 TL Salz verrühren, restliches Öl unterrühren. Kräuter und Zwiebelmischung dazugeben und alles sehr gut verrühren. Chimichurri mind. 2h ruhen lassen, dann nochmal abschmecken.

Die Ochsenkotelett 1h vor Grillbeginn aus dem Kühlschrank nehmen, rundherum mit Öl einpinseln, mit Pfeffer bestreuen und Zimmertemperatur annehmen lassen.
Den Grill vorheizen. Den Rost mit Öl einreiben, Koteletts darauf bei größter Hitze ca 2min grillen, dann wenden, salzen und erneut ca 2min grillen. Koteletts wieder wenden, salzen und ca. 2min grillen. Erneut wenden und ca 2min grillen (ja, 4x 2min ist korrekt abgeschrieben!)
Die Koteletts sind jetzt gerade „medium rare“, dh sie haben innen noch einen rosa Kern. Wer sie stärker durchgebraten mag, grillt sie bei etwas reduzierter Hitze noch weitere 4min.
Koteletts auf jeden Fall 5min neben dem Grill oder auf einer Ruhezone auf dem Grill ziehen lassen. Dann in dünne Scheiben schneiden und mit Chimichurri und Chiliringen (wer’s mag) genießen.

Quelle: Grillen. Raffiniertes vom Rost (Susanne Bodensteiner)

Cremiger Kartoffel-Spargel-Salat

Da is’ser endlich: der Frühsommer! Inklusive plötzlicher Regengüsse und kurz darauf schon wieder strahlend blauer Himmel, dass sich alle Welt aus den Jacken schält und sich Richtung Sonne streckt! Radelte ich Anfang der Woche noch mit Wintermantel in die Arbeit, suche ich nun verzweifelt die Sommerklamotten im Schrank.

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Über die Frühlingsgenüsse mit Spargel, Rhabarber & Co können wir uns ja zum Glück schon etwas länger freuen. Gerade noch rechtzeitig hab ich bemerkt, dass bei Zorra das Blog-Event CXXX - Genuss des Fruehlings130. Blogevent zum Thema „Genuss des Frühlings“ läuft. Ausgerichtet wird es dieses Mal von Jeanette, deren tollen Blog ich dank der Rettungsaktionen schon kenne.
Im Rahmen der Spargelsaison liest man zur Zeit immer wieder, dass die Deutschen dieses Gemüse so sehr schätzen, dass sie bereit sind, dafür auch mehr Geld auszugeben und vor allem regional einzukaufen. Dieses Einkaufverhalten kann ich nur unterstützen 🙂 Es ist einfach jedes Jahr neu schön zu beobachten, wie sich die Marktstände von März an langsam auf Frühling einstellen, der ein oder andere Kohlberg schrumpft und Bärlauch, Spinat und anderen Leckereien Platz macht.

Unser cremiger Kartoffel-Spargel-Salat verbindet den Frühlingsgenuss mit einer typischen Sommeraktivität: dem Grillen oder auch einem Picknick. Zugegeben: so regional Spargel, Kartoffeln und Frühlingszwiebeln bei uns zu bekommen sind – die Avocado hat eine deutlich weitere Reise hinter sich. Mea culpa -ich hoffe, der Salat darf trotzdem beim Frühlingsbuffet teilnehmen 😉

Heute seht ihr übrigens wieder mal realitätsnahe Bilder – mein Vater hat einfach kurz auf die Schüssel draufgehalten bevor die auf den Tisch gestellt wurde. Die ganze Verwandtschaft war an dem Mittag zu Besuch und ich wollte die nicht unnötig warten lassen. Diese Skurilität des Essen-Fotografierens hätten sie bestimmt geduldet, aber die Gemeinschaft am Tisch war mir wichtiger als ein besonders gestyltes Bild für den Blog. Aber ja, den Glasrand hätte ich eindeutig noch abwischen sollen. Wenn das die Mama gesehen hätte… 😀
Ich kann euch dennoch versichern, dass der Salat sehr, sehr gut ankam und genüsslich verspeist wurde. Ob diese cremige Spargel-Variante den klassischen schwäbischen Kartoffelsalat verdrängt, wage ich zwar zu bezweifeln und würde das selber nicht unterstützen, aber ab und zu etwas anderes hat noch niemandem geschadet 🙂

In dem Sinne: viele schöne frühlingshaft-warme Tage mit leckerem Essen euch! Schon mal als kleiner Hinweis: dieser Salat als Grillbeilage ist erst der Auftakt für eine klitzekleine interne Themenwoche rund ums Grillen hier auf dem Blog.

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Zutaten (für 3 sehr großzügige Portionen):
800g (neue kleine) Kartoffeln
15ml Olivenöl
1/2 TL Salz
Pfeffer nach Belieben
1 Bund grüner Spargel
3 Frühlingszwiebeln
Für das Dressing:
1-2 Avocado (kommt etwas darauf an, wie cremig ihr es wollt)
2TL Dill
1Tl Senf (optional)
Saft von 1/2 Zitrone (wer will auch etwas mehr)
Salz, Pfeffer

Zubereitung:
Den Ofen auf 220°C vorheizen. 1 Backblech mit Backpapier auslegen. Die Kartoffeln gut waschen, ungeschält in mundgerechte Würfel schneiden. Mit Olivenöl, Salz und Pfeffer mischen und auf den Blechen verteilen. Im Ofen für 15min backen, dann alles einmal durchmischen und nocheinmal 15-20min backen bis die Kartoffeln weich sind.
Währenddessen die Enden der Spargeln abschneiden und das untere Drittel schälen. In einem Topf mit kochendem Wasser 5min (je nach persönlichem Geschmack auch etwas länger) kochen, abgießen und kalt abschrecken. Die Frühlingszwiebeln in dünne Scheiben schneiden.
Für das Dressing die Avocado zermatschen mit den restlichen Zutaten vermischen. Die Kartoffeln und Frühlingszwiebeln, den Spargel und das Dressing in einer großen Schüssel vermischen. Abschmecken und gerne auch als Grillbeilage servieren 😉

Quelle: The Oh She Glows Cookbook (Angela Liddon)

Rhabarber-Schichtdessert im Glas

Oder auch Rha-rha-rha-a-aa -Rhabarber! Endlich wieder da! Wirklich innovativ ist dieses Schichtdessert nicht, inzwischen wird ja sehr viel in Gläschen portioniert, aber es sieht auch einfach gut aus und ist sehr unkompliziert.

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Als ich gerade das Rezept abgetippt habe, ist mir wieder mal aufgefallen, dass ich mir bei so einfachen Aktionen meistens die Zubereitungsschritte einmal durchlese und dann einfach mache. Ich meine, allein wenn man sich die Bilder anguckt, ist schon recht selbsterklärend, wie das mit der Zubereitung funktioniert, oder etwa nicht? Doch, war es. Es ist sehr unkompliziert. Nur hätte man ein paar Kekskrümel zur Deko zurückbehalten sollen. Das habe ich komplett überlesen und hab stattdessen auf die erste Zitronenmelisse aus dem Garten zurückgegriffen. Alternativ würde sich auch noch ein Klecks Kompott eignen.

Nicht weiter schlimm, ich musste nur über mich selber grinsen, dass ich oft meine, aufgrund meiner langjährigen Kocherfahrung genau zu wissen, wie die Zubereitung gemäß eines abgebildeten Fotos abläuft. Da ist es schon ein Vorteil, wenn man kein Bild zur Verfügung hat, sondern nochmal ins Rezept gucken muss, um weiterzukochen.
Hier könnt ihr kaum Fehler machen und trotzdem sieht es so nett aus… wäre das vielleicht etwas für ein schönes Muttertags-Frühstück? Da kann es ja ruhig mal Schokokekse geben 😉

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Zutaten für 4-6 Gläser:
400g (roter) Rhabarber
100g TK-Himbeeren
80g Zucker
100ml Apfelsaft
20g Vanillepuddingpulver
600g griechischer Joghurt
1-2 El Honig
1/2 Tonkabohnen (schmeckt auch ohne)
100g Hafer-Cookies mit Schokolade (evt etwas mehr)

Zubereitung:
Rhabarber putzen, waschen, ggf. entfädeln und in Scheiben schneiden. Rhabarberstücke und Himbeeren mit Zucker und Apfelsaft aufkochen. Puddingpulver mit wenig kaltem Wasser anrühren und das Kompott damit binden. Vollständig abkühlen lassen (dauert ca 1h)
Für die Creme den Joghurt mit Honig glatt rühren. Die Tonkabohne fein reiben und die Creme damit abschmecken. Hafer-Cookies grob hacken und auf 4-6 hohe Gläser verteilen, dabei ca 1 EL für die Deko zurückbehalten.
Kurz vor dem Servieren Kompott und Creme abwechselnd über die Keksbrösel schichten. Anschließend mit den übrigen Bröseln bestreuen und sofort servieren (sonst zieht der Joghurt Flüssigkeit und in den Gläsern bildet sich ein Wasserrand).

Quelle: deli 2/2017