Im Bücherregal: Ein Jahr lang gut essen von Nigel Slater

Soooo, die ersten Detox-Posts und großen Vorsatzankündigungen sind schon vorbei, das neue Jahr schon ein paar Tage alt und vermutlich sind alle wieder im normalen Alltag angekommen. Ich nehme mir fürs neue Jahr nicht wirklich etwas vor. Schon lange habe ich die gleichen Vorsätze: gut essen und trinken, regelmäßig Sport machen, glücklich sein 😉 Zumindest was das Essen angeht, kriege ich jede Menge Inspiration im Buch von Nigel Slater: „Ein Jahr lang gut essen“, das beim Dumont Buchverlag erschienen ist.

2016-12-28_rezension-nigel-slater-3

Der erste Eindruck:
Wow, was für ein Brocken! Ganze 1,6kg bringt das Buch auf die Waage. Im Vergleich zu den anderen Kochbüchern im Regal hat das Slater-Werk mehr das Format eines Romans. Dieser Eindruck wird auch dadurch unterstrichen, dass nicht jedes Rezept bebildert ist und zusätzlich mit einer tagebuchartigen Einleitung versehen ist.

Inhalt:
Auch mit dem Aufbau eines typischen Kochbuches hat „Ein Jahr lang gut essen“ wenig gemeinsam. Das Buch geht anhand der Monate durchs Jahr. Bevor wir gemeinsam mit Nigel Slater am 1. Januar starten, erfährt man in der Einleitung etwas von seiner Herangehensweise ans Kochen. Vorangestellt schreibt er: „Wir sind nicht sehr lange auf dieser Welt. Da sollten wir uns zumindest etwas Gutes zu essen machen.“ Und genau darum geht es in diesem Buch. Es ist kein schlichtes Kochbuch, sondern der ganze Vorgang bis zum endgültigen Tellergericht wird zelebriert: „Beim Kochen geht es -zumindest für mich- nie ausschließlich um das Endresultat. Es sind die kleinen, erfreulichen Details, die es zum lebenslangen Vergnügen machen“, so Nigel Slater. Diese Leidenschaft für gutes Essen merkt man jeder Zeile des Buches an. Gutes Essen heißt hier nicht, dass ausschließlich auf Kalorienangaben Rücksicht genommen wird, sondern die Faustregel lautet: „Einfach nie zu viel von einer Sache essen“. Herrlich undogmatisch.

Zugegeben, ich habe mir anfangs schwer getan, mich in dieses ganz andere Kochbuch einzuarbeiten und zu verstehen, wie ich damit kochen kann. Aber irgendwann hat es mich gepackt. Ich fühle mich, als würde ich manchmal direkt mit Nigel in der Küche stehen, wenn er Anfang Januar eine Winter-Tarte mit Racletteresten bäckt oder ein Rosmarin-Honig-Brot für Käse knetet. Farblich abgehoben sind vier Jahreszeitkapitel, die die Tagebucheinträge unterbrechen. Die Rezepte, die sich darin finden, sind von der schnelleren Sorte, die sich auch nach einem Arbeitstag noch zubereiten lassen. Unter dem Rezept stehen jeweils noch Variationsmöglichkeiten oder nützliche Hinweise zum Einkauf oder zur Zubereitung.

Ein Lesebändchen hilft beim Markieren, wo man gerade in diesem Kochbuchroman liest oder eignet sich natürlich auch um Rezepte schneller zu finden. Am Ende des Buches findet sich ein detailliertes Register, das sehr hilfreich ist, weil sich das Buch nicht in verschiedene Kapitel gliedert. Die einzelnen Zutaten sind aufgelistet, fett gedruckte Seitenzahlen verweisen auf die Gerichte der Jahreszeitkapitel. Ich habe sehr gerne mit dem Register gearbeitet, wenn ich Lust auf etwas Bestimmtes hatte und wissen wollte, was Nigel Slater damit anstellt.

2016-12-28_rezension-nigel-slater-61

Die Rezepte:
Gleich zu Beginn sagt Nigel Slater, dass seine Rezepte nicht in Stein gemeißelt sind, sondern sie ermuntern geradezu, sich selber auszuprobieren. Ich habe das Gefühl beim Lesen, dass ich Teil seines Alltags werde und ihn beispielsweise im März auch auf seiner Reise durch Japan begleite. Sehr spannend finde ich das, wie er die verschiedenen Einflüsse und Erlebnisse wiederum in seine Rezepte einfließen lässt. Nass-kaltes Wetter am 30. März bringt einen Schweinebauch mit Bohnen hervor, der lange schmoren kann und dessen Duft die Vorfreude aufs Essen weckt. Die Lektüre von „Das Sommerbuch“ von Tove Jansson am 17. Juli lässt ihn an Picknicke im Grünen denken und er bäckt einen einfachen Rührkuchen mit Früchten, der einfach aus der Form gegessen werden kann. Weil das Buch im Herbst erschienen ist, habe ich mich von hinten durchgearbeitet. Nachgekocht habe ich unter anderem schon:

  • Ein Pilz-Bourguignon mit Kürbispüree (18. Oktober): vegetarisches Soulfood vom Feinsten!
  • Cremige Polenta und Wintergemüse (aus dem Winterkapitel): schnell gemacht, lecker mit Grünkohl und Paprikastreifen, die ich dazugemacht habe.
  • Gnocchi dolcelatte: fertige Gnocchi werden mit Gorgonzola und Creme doble gebacken, Winterspeck olé! Soooo gut!
  • Haselnuss-Ahornsirup-Kekse (15.November): gab es in der Adventszeit, wunderbar mürbe Kekse, für die ganze Haselnüsse erst geröstet und frisch gemahlen werden. Etwas mehr Aufwand, der sich lohnt!
  • Walnuss-Meringue mit Äpfeln und Vanillepudding (26.Dezember): Rezept folgt Ende der Woche. Eine kleine Schweinerei, aber sehr lecker!

2016-12-29_meringentorte-2

Alle Rezepte haben gut geklappt und lecker geschmeckt! Ab und zu kommen die englischen Einflüsse durch, zum  Beispiel an Weihnachten mit einem Christmas Pie voller getrockneter Früchte. Die verwendeten Zutaten lassen sich in der Regel problemlos im Supermarkt erstehen. Die Rezepte sind bunt gemischt: mit den hier erwähnten Rezepten wird schon deutlich, dass vom Frühstücksmüsli über Salate zu Braten und Dessertideen alles dabei ist. So bunt, vielfältig und reich an verschiedenen Geschmäckern, wie es die Jahreszeiten anbieten 🙂

Kaufempfehlung:
Wer mehr will als die klassischen Kochbücher, die alle irgendwie ähnlich sind, ist mit „Ein Jahr lang gut essen“ von Nigel Slater sehr gut beraten. Es macht einfach Spaß abends noch ein, zwei, drei Kapitel zu lesen, was er im jeweiligen Monat kocht. Aber nicht nur lesen, sondern gerade auch das Nachkochen ist toll! Von einfacher, guter Alltagsküche bis zum Festtagsbraten ist alles dabei! Einen Eindruck, wie leidenschaftlich Nigel Slater ans Werk geht, erhält man in diesem ARD-Beitrag, sehr sympathisch! Und welches Kochbuch schafft es schon in eine Literatursendung?! Mich motiviert das Buch aufmerksamer durch die Jahreszeiten zu gehen und experimenteller in meiner Kochweise zu werden. Hiermit esse ich wirklich ein Jahr lang gut!

2016-12-28_rezension-nigel-slater-11

Nigel Slater: Ein Jahr lang gut essen
Dumont Buchverlag
544 Seiten, in Leinen gebunden
ISBN: 978-3-8321-9912-8
39€

Das Buch wurde mir freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Das hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Rezension – diese entspricht zu 100% meiner eigenen Meinung.

Advertisements

4 Gedanken zu “Im Bücherregal: Ein Jahr lang gut essen von Nigel Slater

    1. Das habe ich auch schon gehört, dass vielen der Vorgänger -das Küchentagebuch- mehr überzeugt hat. Alle Rezepte werde ich auch nicht nachkochen, aber gerade das ein oder andere Gebäck steht demnächst noch an.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s