Im Bücherregal: „life in balance“ von Donna Hay

Es scheint inzwischen zum guten Ton zu gehören, dass man sich als erfolgreicher Kochbuchautor Gedanken zur Ernährung macht und diese dann (gewinnbringend?) vermarktet und in ein neues Werk einfließen lässt. Die höchsten Wellen in diesem Bereich hat wahrscheinlich Jamie Oliver geschlagen, der von seinen „Superfoods“ schon einen Nachfolgetitel veröffentlicht hat. Aber auch Leila Lindholm und jetzt auch Donna Hay springen auf diesen Trend auf. Die einen freuen sich nach dekadenten Schokotorten und mit Käsebergen überbackenen Fleischorgien über gesündere Rezepte, die anderen verdrehen die Augen und wenden sich verächtlich ab, wenn nun trendige Superfoods verwendet werden. Schon bevor ich „life in balance“, das im AT Verlag erschienen ist, in der Hand hatte, bekam ich auf Foren die Diskussionen mit, die sich deswegen eher skeptisch über das neue Kochbuch von Donna Hay äußerten.

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Der erste Eindruck:
Wer schon mal ein Kochbuch von Donna Hay in der Hand hatte, wird sofort einen Wiedererkennungseffekt bemerken: das quadratische Format mit Flexcovereinband sticht unter den üblichen rechteckigen Formaaten hervor. Auch die Schriftart ist dieselbe wie bei den vorherigen Büchern. Und hach, diese Foodfotos! Ein einziger Traum, so köstlich sieht jedes bebilderte Gericht aus! Das macht sofort Lust auf Nachkochen.

Inhalt:
In der kurzen Einführung schreibt Donna Hay, worum es ihr mit diesem Kochbuch geht: es geht nicht um eine Diät, sondern Essen soll das Wohlbefinden steigern. „Das Geheimnis besteht darin, die richtige Balance zu finden“ -konkret bedeutet das, dass Lieblingsgerichte mit natürlichen Superfoods aufgepeppt werden. Aha, hier ist zum ersten Mal das Trendwort der Foodszene! Wohltuend ist aber, dass darunter nicht nur Quinoa, Chia & Co fallen, sondern auch beispielsweise Rosenkohl und Spinat zu den „Supergreens“ gehören oder Leinsamen und Dinkel mit ihren gesundheitlichen Wirkungen vorgestellt werden. Diese und andere Grundzutaten werden in kurzen informativen Texten beschrieben und fallen beim Blättern dadurch auf, dass mattes, etwas dickeres Papier verwendet wurde und man so schnell die Seiten findet. „life in balance“ ist folgendermaßen gegliedert:

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  • Perfekter Start in den Tag: neben klassischem Haferbrei findet sich auch ein Chiapudding oder ein grüner Smoothie zum Frühstück.
  • Gemüse: hauptsächlich vegetarische Gerichte, bei denen Gemüse die Hauptrolle spielt, zum Beispiel in einem Grünkohl-Spinat-Omelett oder in Galettes mit Rosenkohl und Ziegenkäse
  • Power-Proteine: hier wird es fleischlastiger, aber auch Tofu und Fisch werden verwendet. Rezepte sind zum Beispiel Rinderfleischspieße mit rotem Chimichurri oder pikanter Fisch mit Sellerie-Süßkartoffel-Frites.
  • Kernige Körner: Neben Reis, Quinoa & Co werden hier auch Hülsenfrüchte wie Kichererbsen verwendet und so beispielsweise ein asiatischer Graupen-Kraut-Salat oder geschmorte Harissa-Auberginen mit Linsen-Kräuter-Salat serviert.
  • Klein & Fein: der genaue Unterschied zu den Kapiteln davor erschließt sich mir nicht, aber ich vermute, klein&fein bedeutet, dass die Gerichte mit wenig Kohlenhydraten auskommen. Der Edamame-Salat mit Huhn und Fenchel oder auch die Zucchini-Pastinaken-Sellerie-Nudeln mit Brokkolisauce enthalten zumindest keine „traditionellen Sattmacher“ 😉
  • Power-Snacks: Als kleine Happen zwischendurch empfiehlt Donna Körner-Cracker mit Grünkohl-Cashew-Dipp oder ein Himbeer-Joghurt-Eis am Stiel.
  • Clever backen + Süßes: Zum Nachmittagskaffee gibt es einen Chiakuchen mit Orangensirup, Haselnusskekse mit Schokofüllung oder auch Kokos-Cupcakes.
  • Glossar+Register: in den Rezepten finden sich immer wieder einzelne (exotischere) Zutaten, die mit einem Sternchen markiert sind. Die Erläuterung dazu findet sich im Glossar. Auch werden Angaben zu Maßeinheiten, Ofentemperaturen und Butter und Eiern gemacht.

Dem abschließenden Register gebührt besonderer Lob: übersichtlich nach Hauptzutaten und Kategorien aufgelistet -so findet sich Lachs nicht nur unter „L“, sondern auch bei „Fisch und Meeresfrüchten“. Da macht das Suchen Spaß und führt schnell zum Ziel.
Wie schon erwähnt, sind insbesondere die Foodfotos wunderschön anzusehen! Sie nehmen eine ganze Seite pro Gericht ein und die Rezepte sind eine Seite davor und danach mit anderen Rezepten zu finden. Typisch wie bei vorherigen Donna-Hay-Büchern auch. Zu ein paar Zutaten finden sich hingekritzelte Erklärungen, worum es sich dabei handelt. Ganz nett, aber auch ein wenig überflüssig, weil die Zutaten im Glossar nochmal erklärt werden. Donna Hay kommt als Model nur ein paar Mal zu Beginn der Kapitel vor, sie findet sich also nicht auf jeder Seite und fällt somit auch nicht störend auf wie in anderen „Promi-Kochbüchern“ 😉

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Die Rezepte:
Ja, es kommen Superfoods vor! Allerdings nicht nur und auch nicht in jedem Rezept! Wenn das teilweise als „störend“ oder „zu trendig“ kritisiert wurde, kann ich das nicht nachvollziehen. Ich ignoriere es einfach, wenn in einen Teig noch 20g Flohsamenschalen kommen; das funktioniert auch ohne! Entscheidend für mich ist, dass Superfoods für Donna Hay eben nicht nur aus Südamerika kommen, sondern auch viele hier in Deutschland heimischen Gemüsesorten als Superfoods zählen. Dass man die nun so bezeichnet, von mir aus, wem’s hilft. Im letzten Winter bin ich zum Grünkohlfan geworden und freue mich hier über viele tolle Ideen. Allgemein finde ich, dass gerade für die kühlere Jahreszeit viele Rezepte drin sind mit Zutaten, die jetzt Saison haben.
Üüübrigens: im Kapitel zu dem Süßen wird auch mal ein Schokokuchen mit 200g Butter und 220g braunem Zucker gebacken -Superfood findet sich dabei nur in Form von Rohkakao 😀 Also ein bisschen „alte Donna“ bleibt auch hier erhalten und die Superfoods oder Labels wie gluten-lactosefrei nehmen nicht überhand.
Ausprobiert habe ich unter anderem schon (entschuldigt die schlechte Fotoqualität…so sieht das halt ohne Styling und ohne Profi-Papa aus):

  • Hühnerhackbällchen mit Zucchini und Feta: soooo mega lecker! In der Masse befindet sich noch Quinoa, den ich mit Couscous ersetzt habe und es war so gut! Will ich bei Gelegenheit unbedingt verbloggen
  • Reis-Kürbis-Kichererbsen-Burger mit Schmorkarotten: die Patties war mir etwas zu trocken, aber mit Dip und den Karotten sehr lecker!
  • Quinoa-Süßkartoffel-Törtchen: die haben uns auf einer Zugfahrt begleitet und waren so saftig, so aromatisch. Wirklich klasse
  • Kürbis-Dinkel-Salat mit Feta und Granatapfeldressing: tolle Kombination, mit ofengeröstetem Kürbis kann man bei mir sowieso nichts falsch machen 😉
  • Karamell-Dattel-Cookies: so geil! Die ganze Familie war begeistert -das Rezept gibt es nächste Woche.

Die Rezeptbeschreibungen sind teilweise etwas knapp gehalten. Da schadet es nicht, mitzudenken und beispielsweise zum Formen der Hackbällchen oder der Cookies die Hände anzufeuchten, damit die Masse nicht so klebt. Auch werden immer wieder Fertigprodukte verwendet, typisch in Form von Zwiebelrelish. Das hab ich ganz einfach selber gemacht. Insgesamt klappen aber die Rezepte sehr gut und das Nachkochen macht großen Spaß!

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Kaufempfehlung:
Von meiner Seite her JA! Ich persönlich mag diese Neuerscheinung von Donna Hay sogar mehr als das Kochbuch, was ich schon von ihr habe. Es finden sich auch viele vegetarische Rezepte; durch das Kapitel mit Snacks und Süßem wird eine große Bandbreite an Ideen gegeben. Ob man damit in Balance kommt, bleibt jedem selber überlassen. Ich weiß, dass ich noch viel aus dem Buch kochen werde!

Donna Hay: life in balance. Frische, leichte Rezepte für gesunden Genuss.
AT Verlag
240 Seiten, über 174 Farbfotos
ISBN: 978-3-03800-929-0
29,95€

Das Buch wurde mir freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Das hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Rezension – diese entspricht zu 100% meiner eigenen Meinung.

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2 Gedanken zu “Im Bücherregal: „life in balance“ von Donna Hay

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