Zu Gast auf dem 7. Schwäbischen Whisky Tag

Nach einem herrlichen Spätsommer ziehen ausgerechnet am Samstag, 1. Oktober deutlich mehr Wolken am Himmel über Tübingen vorbei. Die Temperaturen verlangen auch nach einer Jacke und für den Nachmittag ist Regen angekündigt. Ohne jemals in Schottland gewesen zu sein, denke ich mir, dass allein das Wetter schon zu meiner Vorstellung von Whisky passt: eine Brennerei irgendwo in einer schroffen Landschaft, Wind und Wetter, das eher Outdoorkleidung als die neuste Sommerkollektion erfordert, dazu kostbare Flüssigkeit, die mit viel Leidenschaft gebrannt wurde.

Diese Vorstellung passt allerdings nicht nur auf Schottland, sondern auch auf die Schwäbische Alb! Im Rahmen des Tübinger Regionalmarktes fand nun schon zum siebten Mal der Schwäbische Whisky Tag statt, auf dem dieses Jahr 16 Whisky-Destillen zu Gast waren. Ein paar davon können wir euch heute vorstellen, alle leider nicht, das wäre kein verantwortliches Trinken mehr gewesen 😉

Die ersten Eindrücke sammeln wir bei der Waldhornbrennerei aus Berglen. Ihren Schwäbischen Single Malt Whisky gibt es noch relativ neu: seit 2013 erweitert er die große Produktpalette. Benannt ist er nach dem Buchenbachtal, wobei „Glen“ aus dem Gälischen kommt und „Tal“ bedeutet. Schon im Geruch merkt man die Lagerung in Sherryfässern, die sich natürlich auch geschmacklich bemerkbar macht. Ein schöner Einstig!

Von dieser kleinen Destillerie geht es zum größten deutschen Whiskyproduzent: die Finch Whisky Destillerie aus Nellingen. Jährlich stellt die Brennerei eine viertelmillionen Liter Alkohol her, circa 1000 Fässer werden zum Reifen abgefüllt. Hans-Gerhard Fink, der Chef der Brennerei, steht persönlich am Stand zum Ausschank und Schwätzen bereit. Lächelnd erzählt er, wie er einmal einem Freund in den Streuobstwiesen beim Beschneiden der Bäume half und ihm das so gar keinen Spaß machte. Er bräuchte immer eine große Maschine für seine Arbeit: auf 400 ha baut er das Getreide für seinen Whisky selbst an. Für den Finch Whisky wird also vom Anbau bis zur Abfüllung alles von einer Hand gemacht, viel Aufwand, aber auch ein sehr stimmiges Ergebnis. Hans-Gerhard Fink plant für die nächsten Jahre den Vertrieb seines Whiskys im asiatischen Raum und eine Whiskyerlebniswelt bei ihm in Nellingen, wo man die komplexe Herstellung des Whiskys kennenlernen kann.

Einen schwäbischen Whisky, den wir schon länger auf dem Schirm hatten, aber noch nie probieren konnten, stammt von der Destillerie Volker Theurer in Unterjesingen -einem Städtle neben Tübingen, durch das wir schon das ein oder andere Mal durchgefahren sind und jedes Mal beim Gasthof Lamm die Fässer liegen sahen. Jetzt beim Whisky Tag war endlich Gelegenheit dazu 🙂 Schon seit 1989 wird hier Whisky gebrannt, wobei sich auch diverse andere Brände und Liköre im Programm befinden (sogar ein Brezelgeist wird gebrannt!) Der erste Whisky war mehr ein Zufallsprodukt, das aus Mangel an Lagerfläche in Fässer gefüllt wurde. Inzwischen erfolgt die Auswahl der Zutaten und die Herstellung wesentlich sorgfältiger: die Rohstoffe wie Roggen und Weizen kommen aus dem Ammertal, also der unmittelbaren Nachbarschaft.

Den wahrscheinlich außergewöhnlichsten Whisky auf dem Markt bekommen wir bei der Kleinbrennerei Fitzke aus Herbolzheim-Broggingen. „Aus Grünkern?“, der Freund schaut entsetzt: „Danach dann noch einen Tofuburger oder was?“ Sehr skeptisch betrachtet er, was ihm da ins Glas gefüllt wird. Nach ausgiebigem Schnüffeln und dem ersten Schluck kommt dann aber die große Überraschung. Das schmeckt! Und zwar wie gut! Lange unterhalten wir uns mit Edith Fitzke, die uns viel über das Brennen erzählt. Die Brennerei kam von ihrer Seite her in die Familie; es sei immer schon die Aufgabe der Frauen gewesen, Obstbrände und Liköre herzustellen, weil dieser Vorgang gleichbleibende Hitze erfordert, was die Männer, die zum Schaffen dann wieder weg mussten, nicht so überwachen hätten können. Traditionell kommen sie vom Obstbrand und haben schon immer sehr sortenrein und aromaschonend gebrannt.
Diese Technik verwenden sie auch für ihre Whiskys: ihre Intention ist es, dass man das Aroma des Getreides noch schmecken soll. Statt aus dem Fass kommen bei ihren Single Grains 70-80% des Geschmacks aus dem Getreide selbst. Im Gespräch mit dem Ehepaar Fitzke merkt man die Leidenschaft und den großen Spaß am Brennen, die es ihnen mehr als authentisch gelingt zu vermitteln. Woran wir das auch im Nachhinein merken? Es sind kaum Fotos entstanden, weil wir alle so zugehört haben…sorry! Ihr müsst es uns einfach glauben, dass dieser Whisky, der eben nicht so typisch schmeckt, meine begleitenden Männer am meisten fasziniert hat. Mein Vater meinte, dass er den Grünkernwhisky sofort wieder trinken würde und ich muss unbedingt mal die Obstbrände von den Fitzkes probieren! Vielen Dank Ihnen beiden nochmal für das Gespräch!

Leidenschaft und Überzeugung vom eigenen Produkt, die im wahrsten Worte unter die Haut geht, trifft man auch bei AltEnderle.Schon seit 1750 befand sich das Brennrecht in der Familie von Joachim Alt, der sich 1987 aber mit einer eigenen Brennerei von den Familientraditionen löste. Der Schritt zur Whiskyproduktion erfolgte zufällig: mit dem Plan Genever herzustellen arbeitete er mit Getreide, füllte das ganze in Fässer ab…und vergaß sie vor lauter Arbeit in der Gastronomie. Immer wieder regte Joachim Alt sich über die unnützen Fässer auf und schaffte es nach drei Jahren schließlich das Zollamt darüber zu informieren, dass er diese Fässer mit Alkohol nun gerne vernichten wolle. Damit wäre ja nichts mehr anzufangen. Von wegen! Der Zollbeamte machte ihn darauf aufmerksam, dass sich nun vermutlich statt Genever Whisky in den Fässern befinden würde und so nahm die Geschichte seinen Lauf.
Ja, heute sei alles ein bisschen anders mit dem Whisky wie damals als er angefangen hätte, meint er. Damals hätte er alte gebrauchte Holzfässer für seinen Whisky geschenkt bekommen und wäre mit ein paar Flaschen Wein bezahlt worden, weil niemand etwas damit anfangen konnte. Heute zahlt man gleich mal 2000€ für ein 30 Jahre altes Sherryfass! Beeindruckend fand ich auch, dass AltEnderle von Joachim Alt und seinem Geschäftspartner lediglich zu zweit hergestellt und vertrieben wird! Gemeinsam verarbeiten sie 300t Rohware pro Jahr. Respekt!

Nach  vielen Gesprächen fällt auf, dass viele der Brenner ursprünglich von den Obstbränden her kommen. Oft war die Verarbeitung der Früchte von den Streuobstwiesen schon lange Familientradition. Zum Whisky kamen die einen aus purem Zufall oder reiner Neugier, wie die Destillation von Getreide denn gelingen würde. Die anderen wagten den Einstieg in die Whiskyproduktion deutlich bewusster und mit mehr Zielen vor Augen. Auch geschmacklich hat sich der Schwäbische Whisky in den Jahren entwickelt. Der Freund war anfangs sehr skeptisch, musste dann aber zugeben, dass es durchaus sehr gute Whiskys aus dem Ländle gibt, die durchaus anders als die aus Schottland sind, aber das muss ja nichts Schlechtes sein 😉

Ihr habt gemerkt, dass die Vielfalt an Schwäbischem Whisky sehr, sehr groß ist! Tatsächlich ist die Anzahl der deutschen Whiskybrenner höher als die der in Schottland! Klar, die Menge an produziertem Alkohol ist kleiner, aber eine große Vielfalt ist gegeben. Ich fand diesen Nachmittag unglaublich spannend und es hat mich wieder mal begeistert, was es an Kreativität in diesem Bereich gibt. Allein die Flaschengestaltung macht einen doch neugierig auf so manchen Inhalt. Auch die verschiedenen Geschichten, wer wie zum Whisky kam, welche Philosophie dahinter steckt und auch wie viel man schaffen (und warten) muss bis es dann mal einen Whisky gibt, haben mich überrascht und sehr neugierig gemacht. Wer sich (wie ich) nicht nur für Whisky interessiert, der findet bei allen Brennern noch eine große Auswahl an Obstschnäpsen, Gins und Likören, die bestimmt auch eine Kostprobe wert sind.

Vielen Dank an Angela Weis, die schwäbische Whiskybotschafterin und der Silberburg am Markt, auf deren Einladung wir den 7. Schwäbischen Whiskytag besuchen und verkosten durften. Vielen Dank auch an Petra Milde, die ihr vom Burns-Supper kennt und die uns ebenso nett umsorgt hat 🙂

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