In China isst sie (noch) keine Hunde

Heute meldet sich hier mal die kleine Schwester zu Wort. Ich bin gerade für drei Monate in China, genaugenommen in Peking, und meine Schwester meinte ich soll doch mal was für den Blog schreiben. Tja, allerdings kann ich weder so gut kochen wie meine Schwester, noch so tolle Fotos machen wie mein Papa. „Was kannst du dann überhaupt?“ fragt jetzt vielleicht der ein oder andere – die Antwort: Essen! Essen kann ich ziemlich gut, und ich mach es auch sehr gerne! 😉 Besonders auf Reisen macht es mir viel Spaß Neues und Außergewöhnliches auszuprobieren. Und hier gibt es jede Menge zu probieren. In China gibt es 56 Nationalitäten und jede bringt natürlich ihre eigenen Spezialitäten mit.

IMG_20151129_132719Da viele Chinesen quasi im Büro leben, haben sie oft keine Zeit oder Lust in ihrer eh schon sehr knapp bemessen Freizeit auch noch selber zu kochen. Stattdessen holen sie ihr Essen an einem Straßenstand. Die gibt es hier an jeder Ecke und sie sind – wie ich finde – eine geniale Art verschiedenes Essen in China zu probieren. Ob Snacks, Nachtisch oder eine ganze Mahlzeit – für jeden Bedarf ist da etwas geboten.

Zum Beispiel in Wangfujing, einer riesigen modernen Shopping-Meile gibt es ein kleines Seitensträßchen, in dem sich die Essensstände aneinander reihen. Man kann sich hier super von der Masse treiben lassen, denn voll ist es zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dort gibt es einige Stände an denen man allerlei Kuriositäten am Spieß kaufen kann: Skorpione, Heuschrecken, Seesterne, Seepferdchen, …

Allerdings kaufen an diesen Ständen in der Regel nur die Touris ein, die Einheimischen wenden sich lieber anderen (besseren) Dingen zu. Neben den Kuriositäten kann man dort nämlich auch allerlei Trendfood finden. Kunterbunte und dampfende Getränke, ebenso kunterbunte Gebäckteilchen, … für das Auge ist viel geboten.

Einen Trend den man hier gerade an fast jedem Essenstand finden kann sind Kartoffelzwirbel am Spieß. Die haben mich eher weniger begeistert. Das Exemplar das ich probiert hab, stand wahrscheinlich schon eine Weile an dem Stand und war deswegen nicht mehr warm und knusprig wie ich es erwartet hätte. Es war auch nicht weiter gewürzt, es gab nur einen Spritzer Ketchup drüber, der den Geschmack jetzt auch nicht wirklich verbessert hat. Zudem war der Spieß mit 15 Yuan auch nicht ganz billig (dafür kann man anderswo ein ganzes Abendessen kriegen). Aber gut, man zahlt halt auch in China für die Location 😉

Was ich dagegen nur IMG_20151025_145427wärmstens empfehlen kann ist der Pekinger-Trinkjoghurt. Den kann man auch so ziemlich an allen Straßenständen und Touri-Attraktionen finden (die Preise variieren aber auch dementsprechend). Das Getränk wird entweder in Ton- oder Plastikgefäßen serviert. Es gibt einige verschiedene Marken, mein Favorit bisher ist der mit dem weiß-blauen Bild vom Himmelstempel drauf. Eigentlich ist es nur süßer Naturjoghurt, der etwas flüssiger ist als normal. Aber es schmeckt einfach lecker und ist perfekt als kleine Erfrischung zwischendurch.

Was in Europa und Amerika die Food Trucks sind, sinIMG_20151129_130728d hier die Food-Fahrräder. Manchmal sind es auch Motorräder. Aber generell irgendein dreirädriges Gefährt, das dort aufgestellt wird wo gerade viele Leute vorbeikommen. Und jeder hat etwas anderes zu bieten! Wraps, Suppen, Fleischspieße, kandierte Früchte, Eintöpfe, … Generell muss man beim Essen in China einfach mutig sein und Dinge ausprobieren, auch wenn man nicht weiß was man isst. Bisher hab ich noch keine negativen Erfahrungen gemacht und hatte eigentlich immer ein ziemlich glückliches Händchen für leckere Sachen. Man ist hier ja als Ausländer sehr leicht zu identifizieren, und die Verkäufer sind in der Regel sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Meine neuste Entdeckung ist ein kleines Gefährt, das jeden Abend um die Ecke von meiner Wohnung steht. Dort kann man sich ein Körbchen füllen mit allerlei Gemüse, Nudeln, Fleisch und Fisch nach Wahl. Das wird dann alles im großen Kochtopf in Brühe gegart. Die Suppe die dabei rauskommt ist superlecker und perfekt zum Aufwärmen, nicht zuletzt, weil die nette Köchin zum Schluss noch allerlei scharfe Soßen und Gewürze in die Brühe kippt. Zwei Zutaten die in meiner Suppe nicht fehlen dürfen: Sprossen und Lotus!

Ich könnte hier noch ewig weiterschreiben, von Baozi, Jiaozi, gefüllten Fladen, chinesischen Bäckereien, … wie gesagt, die Auswahl ist endlos! Und das tolle beim chinesischen Streetfood: es ist spottbillig! Da kann man sich zu zweit für unter 3 € munter an einem Stand durchprobieren. Und an den kleinen Ständen sind die Preise auch nicht festgelegt, da wird in der Regel abgerundet auf den nächstbesten geraden Betrag. Oft kriegt man auchIMG_20151109_182625 noch ein kleines bisschen extra obendrauf.
Also, meine Empfehlung an alle die nach China reisen: durchprobieren so viel es geht! Und öfter mal die Tourirestaurants meiden und dort essen, wo die Einheimischen sind.

PS von der großen Schwester: Vielen Dank, Kleine! Für deine nächste Reise musst du aber nicht gleich ans andere Ende der Welt fliehen um dem Kürbisessen zu entkommen 😉

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6 Gedanken zu “In China isst sie (noch) keine Hunde

  1. Das nenne ich „liebevolles Schwesterngeplänkel“
    @ „kleine Schwester“ von wegen ich kann „nur“ essen. Ich kann da noch einiges anfügen….
    Danke für diesen interessanten Einblick. In Gedanken war ich mit dabei und hab dir über die Schulter geguckt 🙂
    Auf diesem Wege alles Gute weiterhin,
    Lissy

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  2. Der gemeine Mitteleuropäer wundert sich doch sehr ob diesem leicht schaudrigen Kuriositätenkabinet. Aber der Chinese an sich, den scheint nichts zu schrecken!

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